Mallorca Tag 3: Pferde, Gleichgewicht und ein Felsentor – Rolf Schaffner im Süden Mallorcas
Geocaching in der Nähe von Santanyi
Manchmal führt einen ein Geocache an Orte, die man sonst einfach übersehen hätte. Heute waren es gleich zwei Caches, die uns zu Werken desselben Künstlers gebracht haben: des Bildhauers Rolf Schaffner. Bis heute Morgen kannte ich den Namen nicht – inzwischen weiß ich, dass man rund um Santanyí kaum an ihm vorbeikommt.
Wer war Rolf Schaffner?
Rolf Schaffner wurde 1927 in Schwenningen am Neckar geboren und starb 2008 in Santanyí. Er studierte ab 1956 Bildhauerei an der Münchner Kunstakademie und zog 1962 mit seiner Familie nach Mallorca. Nach gut zehn Jahren in München kehrte er 1987 zurück und blieb bis zu seinem Tod.
Schaffner gilt als einer der Pioniere der Land Art: Er nahm Material aus der Landschaft – vor allem den hellen Sandstein der Gegend um Santanyí – und stellte seine Werke zurück in die Natur, wo Wind, Wetter und Flechten weiter an ihnen arbeiten dürfen.
Station 1: Caballos – sieben Pferde aus Stein
Cache: GC45WJV – Stonimals
Der erste Cache führte mich an den Kreisverkehr an der Straße von Santanyí Richtung Es Llombards / Cala Llombards. Schon im Kreisel selbst stehen zwei hohe Steinsäulen – „Rey y Reina“ (König und Königin) von 2002, ebenfalls von Schaffner.

Das eigentliche Ziel liegt aber ein paar Meter daneben, zwischen Bäumen und Büschen auf einem Privatgrundstück: die „Caballos“.

Die Pferde sind von 1963 und damit Schaffners erste Großskulptur im öffentlichen Raum auf Mallorca. Die Gruppe besteht aus aufgeschichteten, mit Zement verbundenen Steinblöcken, jede Figur knapp drei Meter hoch, alle grob nach Osten ausgerichtet. Mit realistischen Pferden haben sie wenig zu tun – es sind blockhafte, abstrakte Formen, und gerade das macht den Reiz aus: Aus der Ferne sieht man zwischen den Baumkronen nur die „Köpfe“ herausragen, erst aus der Nähe erkennt man die Herde.
Nach über 60 Jahren sind die Steine verwittert und bewachsen, genau so, wie Schaffner es wohl gewollt hat. Wichtig: Die Skulpturen stehen auf privatem Grund – also mit Respekt anschauen und nicht darauf herumklettern.
Der Cachename „Stonimals“ passt jedenfalls perfekt. Die Dose haben wir nach einer kurzer Suche gefunden.
Station 2: Equilibrio Süd am Mirador es Pontàs
Cache: GC1C9W0 – Starlight´s Pisopiloto
Der zweite Cache war ein Multi, und die Lösung der Aufgabe hat uns nach Cala Santanyí geführt – zum Mirador es Pontàs.
Zum Final war danach noch eine kurze Wanderung entlang der Steilküste nötig.

Kein langer Weg, aber auf dem zerklüfteten Kalkstein lohnt sich festes Schuhwerk. Warum stehe ich eigentlich immer so dicht am Rand ?

Das Werk: Equilibrio Süd
Auf dem Weg zum Aussichtspunkt steht eine Stele aus übereinandergesetzten Natursteinen: „Equilibrio Sur“, also Gleichgewicht Süd. Sie ist der Auftakt von Schaffners wohl wichtigstem Projekt, der Europa-Skulptur „Equilibrio – Gedanken in Stein“.

Die Idee: Fünf Steinsäulen an fünf Orten in Europa bilden zusammen ein symbolisches Kreuz des Friedens und der Verständigung:
| Position | Ort | Jahr |
|---|---|---|
| Süd | Santanyí, Mallorca (Spanien) | 1995 |
| Mitte | Bensberg bei Köln (Deutschland) | 1997 |
| Nord | Trondheim (Norwegen) | 2000 |
| West | Cork (Irland) | – |
| Ost | Wolgograd (Russland) | – |
Die Stele hier am Meer war also die erste von allen. Schaffner verband mit dem Projekt zwei Gedanken: friedliches Zusammenleben der Völker und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur – für ihn hing beides zusammen. Eine Infotafel neben der Säule erklärt das Projekt.
Der Mirador und Es Pontàs
Wenige Schritte weiter liegt der eigentliche Aussichtspunkt: eine kleine, umzäunte Plattform mit Holzbank, und davor im Meer Es Pontàs („die große Brücke“) – ein freistehendes Felsentor, rund 20 bis 25 Meter hoch. Entstanden ist es durch Erosion des Kalksteins; vermutlich ist es der Rest eines eingestürzten Höhlensystems, das sich einst durch diese Küste zog.

Kletterer kennen den Bogen übrigens weltweit: Chris Sharma hat hier 2007 eine der schwierigsten Deep-Water-Solo-Routen der Welt geklettert, ganz ohne Seil, mit dem Meer als „Sicherung“. Irgendwo liegt da auch ein Geocache, aber auch heute wollte niemand von uns rüberschwimmen und hochklettern.
Abstecher zur Cala Mondragó
Danach wollte wir noch zur Cala Mondragó, einer der bekanntesten Buchten im Naturpark Mondragó. Eigentlich ein wunderschöner Ort – heute leider nicht. Das Meer war unruhig, und die Wellen hatten jede Menge Seegras und leider auch Müll in die Bucht gespült.

Wir waren für fünf Minuten im Meer, aber haben es dann doch schnell wieder verlassen.
Danach ging es direkt zurück ins Hotel. Auch eine kurze Zeit am Pool kann erholsam sein.