Hameln – Auf den Spuren des Rattenfängers
Ein Tagesausflug durch Hamelns Altstadt: Prunkfassaden der Weserrenaissance, verschlossene Kirchentüren, Pfannkuchen Nr. 55 – und ganz nebenbei ein Praxistest meiner Reiseführer-App „Taviro“.
Ein Tagesausflug durch Hamelns Altstadt: Prunkfassaden der Weserrenaissance, verschlossene Kirchentüren, Pfannkuchen Nr. 55 – und ganz nebenbei ein Praxistest meiner Reiseführer-App „Taviro“.
Um 09:15 Uhr ging es nach dem Frühstück mit dem Auto nach Hameln. Man braucht von meiner Wohnung für die 30 km ca. 30 Minuten.
Der Plan für den Tag hatte zwei Ziele.
Ziel 1: die historische Altstadt erkunden und herausfinden, was an der allgegenwärtigen Rattenfängersage dran ist.
Ziel 2: meine selbst entwickelte Reiseführer-App Taviro im aktuellen Entwicklungsstand auf einer echten Stadtbesichtigung testen. Hameln ist dafür ideal – kompakt, gut zu Fuß machbar und hat einige Sehenswürdigkeiten.
Ort: Hameln (Weserbergland)
Anreise: Auto, Parkhaus Rondell
Dauer: ca. 10:00–14:00 Uhr
Mein Auto habe ich im Parkhaus Rondell am Krankenhaus abgestellt. Von dort sind es nur etwa 200 Meter bis zur Fußgängerzone und damit direkt ins Herz der Hamelner Altstadt.
In der Nähe des Pulverturms ist mir der Handwerkerbaum aufgefallen. Dabei handelt es sich um ein Denkmal, das an die Altstadtsanierung erinnert. Diese dauerte von 1968 bis 1992 und hatte das Ziel, das historische Stadtbild Hamelns zu bewahren und aufzuwerten. Am Handwerkerbaum sind verschiedene traditionelle Bauhandwerke dargestellt, darunter Zimmerleute, Maurer und Tischler.

Mein erster Stopp war das Rattenfängerhaus in der Osterstraße. Ich habe mir die Fassade von der gegenüberliegenden Straßenseite angesehen. Eine

Das Gebäude wurde 1602 bis 1603 für den Ratsherrn Hermann Arendes erbaut. Der Rattenfänger selbst hat hier nie gewohnt – er hätte sich die Miete vermutlich auch nicht leisten können, bezahlt wurde er in Hameln ja bekanntlich nicht. Meine App hat mich auf die Neidköpfe hingewiesen. Diese fratzenhaften Figuren sollten die Häuser und ihre Bewohner vor Unheil, Krankheiten, Neid und Naturkatastrophen schützen.

Seinen Namen verdankt das Haus der Inschrift an der Seitenwand: Sie berichtet, dass am 26. Juni 1284 genau 130 Kinder aus der Stadt geführt wurden. Von hier sind sie zum Ostertor hinausgetanzt.

In der Bungelosenstraße gilt bis heute ein traditionelles Musik- und Tanzverbot. Der Kontrast zwischen der prunkvollen Hauptfassade und der düsteren Geschichte in der stillen Seitengasse hat durchaus seinen Reiz. Was passiert wohl, wenn man in der Gasse eine Flöte aus dem Rucksack holt und ein Liedchen spielt?
Weiter ging es zum Hochzeitshaus. Auf dem Weg dorthin sieht man immer irgendetwas was an die berühmte Sage erinnert.

Am Hochzeitshaus bin ich die Länge des Gebäudes abgeschritten und habe mir das Glockenspiel am Giebel angesehen.

Das Rattenfänger-Figuren- und Glockenspiel kam erst 1964 an die Fassade – als Ersatz für eine ältere Rattenfänger-Uhr, die im April 1945 zerstört wurde. Die Holzfiguren treten nur zu festen Zeiten auf (13:05, 15:35 und 17:35 Uhr), und ich war vorher dran. Die Türen blieben also zu. Dafür sparte ich mir das Warten in der Menge mit nach oben gereckten Hälsen.
Der Sandsteinbau entstand zwischen 1610 und 1617 und gilt als letzter großer Bau der Weserrenaissance in Hameln. Entgegen seinem Namen war er nie ein Standesamt, sondern ein Fest- und Feierhaus der Bürgerschaft. Hier wurden Hochzeiten also allenfalls gefeiert, aber nicht geschlossen.
Nach einem kurzen Blick auf die Skulptur „Die Neugierige“ auf dem Pferdemarkt

ging ich zur Marktkirche St. Nicolai. Die Kirche stammt im Kern aus dem 13. Jahrhundert und ist die zweitälteste Kirche der Stadt. Im April 1945 wurde sie durch Artilleriebeschuss zerstört. Nach dem Wiederaufbau wurde sie 1959 am Nikolaustag neu geweiht.

Mein Plan, mir den Innenraum anzusehen, scheiterte an einem sehr analogen Hindernis: Die Tür war abgeschlossen. Innen soll ein großes Mosaikfenster mit dem Rattenfänger hängen – das muss ich mir beim nächsten Mal ansehen. Aktuell laufen schon die Arbeiten zum Aufbau vom Weihnachtsmarkt, hier wurden auch Öffnungszeiten von der Kirche bekanntgegeben.
Direkt am Pferdemarkt steht das Dempterhaus, ein Zwitterbau aus Sandstein und Eichenfachwerk aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Danach ging es ins Museum Hameln, untergebracht im Leisthaus und im benachbarten Stiftsherrenhaus von 1558 – zwei Prachtbauten der Weserrenaissance. Der Eintritt kostet 6 Euro.

Das Museum hat nach eigener Aussage die wohl größte Rattenfänger-Sammlung der Welt.

Und hier sind die Schuhe der Kinder.

Hier steht auch diese interessante Rattenfänger - Skultur. Unter dem großen Mantel des Flötenspielers sieht man überall versteckte Kinderköpfe.

Ansonsten gibt es auch noch viele andere Sachen zu sehen. Hier z. B. Altarfiguren, die zum Marienkrönungsaltar der Münsterkirche Hameln gehören.

Im Museum habe ich mir auch die Sonderausstellung „Achtung Hochspannung – Experimente und Entdeckungen vom Blitz zum E-Motor“ angeschaut. Hier dreht sich alles um die Geschichte der Elektrizität und wie sie unseren Alltag verändert hat.

Neben vielen historischen Exponaten gibt es auch einiges zum Ausprobieren. An verschiedenen Stationen kann man selbst experimentieren, mit Magneten und elektrischen Kräften spielen, Nachrichten morsen oder auf einem Fahrrad seinen eigenen Strom erzeugen.

Gegen 12 Uhr stand dann ein Mittagessen auf dem Programm. Die Taviro App hat mich ins Restaurant Pfannekuchen geschickt, das Pfannkuchen in über 55 Variationen anbietet, herzhaft wie süß.

Die Qual der Wahl löste ich pragmatisch: Nummer 55 – Pfannkuchen mit Bratkartoffeln, Spiegelei und Speck. Kohlenhydrate auf Kohlenhydraten, gekrönt von Ei und Speck. Dazu gab es ein alkoholfreies Weizen.

Frisch gestärkt lief ich zum Münster St. Bonifatius, der ältesten Kirche der Stadt. Auch hier: abgeschlossen und kein Zugang zur Krypta. Die Kirche wird restauriert. Weiter ging es zur Pfortmühle und über die Fußgängerbrücke auf die Weserinsel Werder.

Die Pfortmühle ist die einzige erhaltene der großen Hamelner Wesermühlen. Das heutige Gebäude stammt aus dem späten 19. Jahrhundert, gemahlen wurde dort bis 1968.

Von der Brücke hat man einen der besten Blicke auf die Altstadt. Die wuchtige Backsteinfassade der Mühle spiegelt sich schön im Wasser.

Und hier ein Foto von mir am Weserwehr und die Pfortmühle im Hintergrund. Ich muss immer sehr vorsichtig sein, dass ich bei diesen Aktionen nicht ins Wasser falle.

Kurz nach 14 Uhr machte ich mich auf den Rückweg zum Parkhaus.
Der Funktionsumfang der Taviro App ist schon sehr gut.
- Die einzelnen Stationen sind gut ausgearbeitet und ich habe auch viele neue Hintergrundinformationen über die einzelnen Orte erhalten.
- Die Restaurant-Empfehlung hat funktioniert. Das ist ein Plus.
- Die App hat mir keine Hinweise gegeben, dass die Kirchen nicht offen haben.
Fazit
Hameln lässt sich wunderbar an einem Tag zu Fuß erkunden. Die Dichte an Weserrenaissance ist hoch, der Kontrast zur Nachkriegsarchitektur spannend. Einziger Wermutstropfen: Beide Kirchen waren zu – wer die Innenräume sehen will, sollte vorher die Öffnungszeiten prüfen.
| Kategorie | Kosten |
|---|---|
| Parkgebühren | 4,00 Euro |
| Museumseintritt | 6,00 Euro |
| Mittagessen | 22,00 Euro (inkl. Trinkgeld) |
Gesamtkosten = 32 Euro