Herbstlicher Nachmittag in Minden

Ein halber Tag in Minden: Vom historischen Domplatz durch das Fachwerk im Schnurrviertel bis zur schwimmenden Schiffmühle auf der Weser.

Herbstlicher Nachmittag in Minden
Am Weserufer

Ein halber Tag in Minden mit historischem Fachwerk, einer Kaffeepause auf der Scharn und einem herbstlichen Spaziergang zur Schiffmühle.

Aus Meehr wird Taviro

Ich teste heute meine neue App. Ihr ursprünglicher Name war Meehr und sie hatte schon ihren Einsatz auf meiner letzten Kreuzfahrt mit der MSC World im Mittelmeer.

Die App habe ich inzwischen weiterentwickelt. Sie ist jetzt geeignet für eine mehrtägige Städtetour oder einen Tagesausflug. Das Wortspiel mit Meehr passt nach den neuen Erweiterungen nicht mehr.

Die App heißt jetzt Taviro.


Statt der KI-Begleiterinnen Mia und Sofia gibt es jetzt nur noch einen Guide. Ich werde den neuen Stand der App präsentieren, wenn ich die Testphase abgeschlossen habe. In diesem Artikel gibt es nur an bestimmten Teilen Screenshots aus der App Taviro.

Für die neuen Funktionen habe ich mir als Test die Stadt Minden in Westfalen rausgesucht. Und so stand ich um 12:00 Uhr auf dem Domplatz in Minden und war startbereit für meine Tour.

Das folgende Tagesprogramm hat die App für mich ausgearbeitet.

Ausschnitt vom Tagesprogramm in der App

Minden: Start am Domplatz

Der historische Stadtkern ist ein logischer Ausgangspunkt für eine kleine Runde durch die Stadt. Direkt am Marktplatz steht die gotische Rathauslaube. Minden besitzt das früheste Beispiel eines gotischen Rathauses in Westfalen. Sie wurde um 1260 gebaut und ist die älteste erhaltene steinerne Rathauslaube in Westfalen.

Rathaus Minden

Gleich dahinter steht der Dom. Karl der Große machte Minden zum Bistum, der heutige Dom entstand im 13. Jahrhundert als gotische Hallenkirche, und im Westwerk stecken noch ältere Teile der Vorgängerbauten. Er wurde kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs fast völlig zerstört. Den originalgetreuen Wiederaufbau leitete ausgerechnet Werner March, der Architekt des Berliner Olympiastadions.

Dom

Dann bin ich doch hineingegangen und kam mitten in eine Hochzeit. Ich bin respektvoll im hinteren Bereich geblieben und habe die Kamera nur ein paar Mal benutzt. Ich wollte nicht zu sehr mit meiner Anwesenheit stören. Den hellen, weiten Innenraum mit Musik und einem feierlichen Brautpaar zu erleben, war aber ein schöner Zufall, den man nicht planen kann.

Dom (Innen)

Hinauf in die obere Altstadt

Vom Dom ging es durch die Innenstadt bergauf. Minden ist eine Stadt mit zwei Etagen: unten Markt und Dom, oben die alte Oberstadt rund um die Martinikirche.

Martinikirche


Mein Ziel war das sogenannte Schnurrviertel mit seinen engen Gassen und den vielen Fachwerkhäusern.

Mindener Buttjer

Am Martinikirchhof steht der Mindener Buttjer. Das ist eine Bronzestatue, die an die historischen Straßenjungen erinnert, die ihre Zeit „buten“ – also draußen – verbrachten.

Mindener Buttjer

Der Begriff stammt aus dem Rotwelschen, wo er so viel wie Herumtreiber oder Landstreicher bedeutet. In Minden bezeichnete er die Bewohner der oberen Altstadt, wo auch Sinti lebten.
Viele dieser Informationen gibt es auch durch eine neue Funktion. In der App gibt es eine Schaltfläche: Was ist das? Ich habe die Bronzefigur fotografiert und bekomme dann genaue Erklärungen zu ihr, die mir auch über eine Sprachausgabe auf meine AirPods vorgelesen werden.

Beschreibung zum Mindener Buttjer aus der App

Die App gibt auch praktische Informationen, Insider-Tipps, Foto - Tipps, eine Vor Ort Aufgabe und auch eine Frage zum Nachdenken.

Frage zum Nachdenken


Windloch


Direkt daneben steht die Martinikirche, die den Platz mit ihrem hohen gotischen Bau dominiert. An ihrer Seite liegt eines meiner Lieblingsmotive des Tages: das Windloch. Das winzige Haus am Windloch gehört zu den kleinsten Gebäuden Mindens. Im 17. Jahrhundert wohnte hier der Stadtmusikus, der auch die Orgel der Martinikirche bediente. Südlich davon entstand ein Lagerhaus, und der Durchgang dazwischen ist das heutige Windloch.

Windloch

Keilstück

Einen deutlichen Kontrast dazu bildet das Keilstück von Wilfried Hagebölling. Die 18 Tonnen schwere Skulptur aus verschweißten Stahlplatten ist begehbar. Ihr schräges Dach weist auf den Chor der Martinikirche und schließt den Kirchhof optisch ab. Das Kunstwerk ist sehr umstritten … kein Wunder, oder ?

Keilstück

Schnurrviertel

Hinter der Martinikirche beginnt das Schnurrviertel mit schmalen Gassen, krummen Fachwerkhäusern, alten Türen und Fensterläden.

Im Schnurrviertel


Der Name soll vom niederdeutschen „schnurren“, was so viel wie plaudern bedeutet. Die Häuser stehen hier so dicht, dass sich die Bewohner früher bequem über die Fenster hinweg unterhalten konnten. Wahrscheinlicher ist aber, dass er auf die schnurgerade Reihe der Häuser zurückgeht.

Alte Mühle

Kaffee und Kuchen bei Bertermann

Nach der Altstadtrunde war Zeit für eine Pause. Im Café Bertermann auf der Scharn gab es ein Stück Schoko-Torte und Cappuccino. Eigentlich wollte ich ins Café Mellifluus —>https://www.mellifluus.de/, aber da gab es keinen Platz mehr.

Kaffee und Kuchen

Herbstlaub und Weserglacis

Danach machte ich mich auf den Weg hinab ans Wasser. Mein nächstes Ziel war das Weserglacis. Als Erstes eine historische Einordnung. Den Begriff hört man in Minden ständig, deshalb hier eine kurze Erklärung: Ein Glacis ist ein Begriff aus dem Festungsbau. Gemeint ist die freie, flach abfallende Erdfläche vor dem Graben einer Festung. Sie war bewusst ohne Bäume, Häuser oder sonstige Deckung angelegt, damit Angreifer schutzlos im Schussfeld der Verteidiger standen. Minden war lange preußische Festung.
Heute ist das Weserglacis ein grüner Ring um die Innenstadt. Es wurde ab 1873 angelegt, nachdem die preußische Festung Minden aufgegeben wurde. Heute stehen hier alte Bäume, die sich hervorragend für ein paar Herbstfotos eignen.

Weserglacis

Sehr markant ist auch die leichte Hängebrücke von Jörg Schlaich. Sie ist 177 Meter lang, überspannt die Weser mit 103 Metern und hängt an zwei 22 Meter hohen Stahlrohrmasten.

Glacisbrücke



Die Glacisbrücke ist aktuell für Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Die Arbeiten sollen bis zur Herbstmesse im November abgeschlossen sein.

Schiffmühle

Mein persönliches Fotohighlight des Tages wartete an der Weserpromenade. Die historische Schiffmühle liegt dort im Wasser.

Schiffmühle

Sie wurde 1998 nach Plänen aus dem 18. Jahrhundert rekonstruiert und ist die einzige voll funktionsfähige schwimmende Fluss-Kornmühle in Deutschland. Die Anlage besteht aus zwei ungleichen Holzschiffen, dazwischen dreht sich ein Wasserrad mit fünf Metern Durchmesser.

Die Mühle wirkte aus der Nähe extrem gut erhalten. Sie war um diese Uhrzeit geöffnet und konnte von innen besichtigt werden. Ein Verein kümmert sich um die Pflege der Mühle und stellt auch immer jemanden, der die Besucher über die Geschichte und Funktion der Mühle informiert.

Auf der Schiffmühle

Fazit

Ein entspannter halber Tag, der Architektur und Natur gut verbindet.

Minden bietet mit dem Schnurrviertel und der Weserpromenade genug Motive für einen ausgedehnten Spaziergang. Wer spektakuläre Action sucht, ist hier falsch.

Die App hat noch ein paar Fehler, die ich jetzt korrigieren werde.

Die Kosten

Posten Preis
Parken 4,00 €
Kaffee & Kuchen 7,55 €
Summe 11,55 €

Parken schlug mit 4,00 € zu Buche. Für Kaffee und Kuchen kamen noch einmal 7,55 € dazu.