Guimarães und Braga
Wo Portugal geboren wurde – Braga und Guimarães an einem Tag
Heute ging es in zwei Städte in Portugal, die den Besuchern viel Geschichte bieten. Die beiden Orte Guimarães und Braga liegen nur 25 km voneinander entfernt. Von Porto aus ist man ca. eine Stunde mit dem Mietwagen unterwegs.
Guimarães: Hier wurde Portugal geboren – im Wortsinn
Die Fahrt über A28 und A3 ist unspektakulär, das übliche portugiesische Autobahn-Einerlei, Maut inklusive. Aber dann, kurz vor halb zehn, taucht Guimarães auf, und man merkt sofort: Das hier ist kein Ort, der sich klein macht. Die Stadt weiß ganz genau, was sie ist – nämlich der Geburtsort Portugals, und zwar nicht im übertragenen, sondern im wörtlichen Sinne.
Hier kam um 1109 Afonso Henriques zur Welt, der später als erster König in die Geschichte einging. 1128 schlug er bei São Mamede die Truppen seiner eigenen Mutter und machte sich damit faktisch unabhängig von León und Kastilien. Wenn man das weiß und dann durch die engen Gassen der Rua de Santa Maria läuft, bekommt der berühmte Schriftzug „Aqui Nasceu Portugal" – „Hier wurde Portugal geboren". Das ist die Stadt, die ihre eigene Geburtsurkunde an die Wand schreibt.

Das Centro Histórico steht seit 2001 zu Recht auf der UNESCO-Liste. Die Bausubstanz aus dem 12. bis 17. Jahrhundert ist erstaunlich intakt, und das liegt vor allem daran, dass Guimarães nie groß genug wurde, um sich selbst plattzuwalzen. Das Castelo, errichtet im 10. Jahrhundert von der Gräfin Mumadona Dias, thront grau und kantig über der Stadt – keine Märchenburg, sondern ein Verteidigungsbau, dem man seine Funktion noch ansieht.

Keine zweihundert Meter weiter der Paço dos Duques de Bragança, burgundische Backsteinarchitektur aus dem 15. Jahrhundert.

Für eine Besichtigung war heute keine Zeit. Darum haben wir die beiden Gebäude nur von außen angeschaut und bei der Burg wurde auch noch ein Geocache gefunden.
Am Largo da Oliveira, mit dem gotischen Padrão do Salado von 1340 ist man dann im Zentrum von dem Ort. Hier war morgens kaum etwas los.

Zeit für einen weiteren Test der lokalen Süßspeisen.
Das ist ein Toucinho do Ceu de Guimaraes. Kuchen aus Eiern, Mandeln und Kürbis, zweimal gekocht und mit Mehl bedeckt.

Und das ist eine Torta de Guimaraes. Knuspriger Teig, gefüllt mit Eiern, Kürbis und Mandeln.

Lecker, aber auch sehr süß. So viele davon könnte ich nicht essen.
Und weiter ging es mit dem Mietwagen in Richtung Braga.
Bom Jesus do Monte: 573 Stufen Hingabe
Und dann kommt der Moment, auf den der ganze Tag eigentlich hinausläuft. Bom Jesus do Monte ist seit 2019 UNESCO-Welterbe, und wenn man erst einmal davorsteht, versteht man sofort, warum …
Kein Heiligenschein, aber immerhin schon Flügel.

Das Konzept ist im Grunde simpel und gerade deshalb beeindruckend: Ein Pilger steigt 573 Stufen den Berg hinauf, verteilt auf drei Abschnitte – das Portico, die Escadório dos Cinco Sentidos, die Treppe der fünf Sinne, und die Escadório das Três Virtudes, die Treppe der drei Tugenden – und vollzieht dabei, ganz wörtlich, eine spirituelle Reinigung mit den eigenen Beinen. Errichtet wurde das gesamte System zwischen 1722 und 1811 unter Erzbischof Rodrigo de Moura Teles. Man muss kein besonders gläubiger Mensch sein, um zu spüren, dass hier jede Stufe, jede Statue, jeder Brunnen mit Absicht gesetzt wurde.

Die elegante Lösung für den Tag: Zu Fuß hinunter und mit der Bahn rauf. Und was für eine Bahn das ist. Seit dem 25. März 1882 fährt hier die älteste noch in Betrieb befindliche Wasser-Standseilbahn der Welt, konstruiert vom Schweizer Ingenieur Niklaus Riggenbach – ganz ohne Motor. Der bergab fahrende Wagen füllt seinen Tank mit Wasser, wird dadurch schwerer und zieht über ein Stahlseil den anderen Wagen nach oben. Drei Minuten Fahrzeit, in genau den hölzernen Originalwagen von 1882. Und diese Technik funktioniert schon seit 150 Jahren.

Oben findet man die Igreja do Bom Jesus. So sieht sie übrigens von innen aus.

Und dahinter ein Park mit Wassergrotte und kleinem See.

Sameiro: Der letzte Blick
Weiter ging es zum Santuário do Sameiro, gut anderthalb Kilometer westlich von Bom Jesus und mit 572 Metern fast genauso hoch. Die Basilika selbst, zwischen 1880 und 1890 von Manuel Joaquim Norte Júnior in einem nüchtern-klassizistischen Stil erbaut, ist nach Fátima die zweitwichtigste Marienwallfahrtsstätte Portugals.

Vom Vorplatz hat man eine tolle Aussicht auf Braga und das Tal.

Sameiro ist viel größer als Bom Jesus, dafür ist Bom Jesus kunstvoll raffinierter gestaltet. Größer ist nicht immer schöner.
Braga: 1700 Jahre älter – und kein bisschen müde
Die Fahrt in die Altstadt von Braga dauerte 15 Minuten.
Während Guimarães sich über seine Gründungsgeschichte definiert, ist Braga schlicht alt. Die Römer legten die Stadt um 16 vor Christus als Bracara Augusta an, im 4. Jahrhundert wurde sie Erzbischofssitz, seit 1390 trägt sie den klangvollen Titel Erzdiözese Primaz das Espanhas – „Primat aller Spanien". Fast siebzehnhundert Jahre kirchliche Kontinuität, das ist eine Zahl, bei der man kurz innehalten muss.
Die Sé selbst, geweiht 1089 und damit die älteste Kathedrale Portugals, zeigt das auch architektonisch: Romanik, Gotik, Manuelinik und Barock.

Ein paar Schritte weiter liegt der Jardim de Santa Bárbara, eine kleine, geometrisch angelegte Grünfläche aus dem 17. Jahrhundert vor dem Erzbischofspalast, die fotogener ist, als ein simpler Stadtgarten eigentlich sein dürfte.

Das einzige Problem: Es war nachmittags schon über 30 Grad und viel zu heiß für Sightseeing. Also ging es um 15:30 Uhr zurück ins Hotel nach Porto.