Durch die Gassen von Genua

Durch die Gassen von Genua
Blick auf Genus

Zweiter Hafen der Reise – acht Kilometer zu Fuß durch die größte Altstadt Europas.

Buongiorno aus Genua. Die MSC World Europa liegt heute in ihrem Heimathafen, und Genua ist eine Stadt, die man auf den ersten Blick unterschätzt: 900 Jahre Seerepublik, eine der größten erhaltenen Altstädte Europas und eine Lage, die es in Italien kein zweites Mal gibt. Hier ein paar Informationen zur Stadt.

Info Wert
Ort Genua (Genova)
Land Italien
Flagge 🇮🇹
Koordinaten 44.4056° N, 8.9463° E
Einwohner ca. 560.000 (Stadt), ca. 810.000 (Metropolitanstadt)
Temperatur Luft ca. 30 °C
Temperatur Wasser ca. 24 °C
Region Ligurien (Hauptstadt der Region)
Zeitzone MESZ (UTC+2)
Lage Ligurisches Meer, Golf von Genua
Anleger Stazione Marittima, Ponte dei Mille
Bekannt für Palazzi dei Rolli (UNESCO), Caruggi, Pesto, Focaccia

Einfahrt vor der Bergwand

Genua ist unter den italienischen Hafenstädten ein Sonderfall. Es gibt kein flaches Hinterland. Die Stadt entstand vor der hügeligen Landschaft.

Genua

Porto Antico

Von Bord ging es kurz nach acht. Der Weg vom Terminal in die Stadt ist kurz – kein Shuttle, kein Industriehafen, der einen aussperrt. Nach ein paar Minuten steht man im Porto Antico. Auf dem Weg habe ich ein U-Boot entdeckt, das zu einem Marinemuseum gehört.

U-Boot

Dann kam noch ein Schiff, das für einen Piratenfilm von Roman Polanski gebaut wurde. Die Neptun ist der Nachbau einer spanischen Galeone aus dem 17. Jahrhundert

Neptun

Und das Schiff wurde später auch für eine Captain Hook Serie weiterverwendet.

Spanische Galeone

Renzo Piano, in Genua geboren, hat den alten Hafen 1992 zum 500. Jahrestag der Kolumbus-Fahrt umgebaut. Herausgekommen ist das städtische Wohnzimmer: eine gläserne Biosphäre am Wasser und der Bigo, ein ehemaliger Hafenkran, der heute Besucher vierzig Meter in die Höhe hebt und dessen Dachkonstruktion aus Stahlseilen und Masten wie eine Skulptur über der Promenade steht.

Bigo

Hier starten um 9 Uhr auch einige Ausflugsboote zum Whale Watching.

Sottoripa und der Palazzo San Giorgio

Ein paar Schritte weiter beginnen die Sottoripa-Arkaden an der Piazza Caricamento. Ein Laubengang aus dem 13. Jahrhundert, rund 120 Meter Tunnelperspektive, dunkle Decke, glänzendes Pflaster, am Ende ein heller Lichtpunkt.

Arkaden

Um 9 Uhr war ich dort alleine, nachmittags ist hier mehr los.

Direkt daneben steht der Palazzo San Giorgio mit seiner bemalten Fassade. Hier saß ab 1407 die Banco di San Giorgio, oft als erste staatliche Bank der Welt bezeichnet. Und die Überlieferung will, dass Marco Polo in diesem Gebäude – damals Gefängnis – seine Reiseberichte diktierte.

Palazzo San Giorgio

Solche Geschichten erzählt mir meine virtuelle Reisebegleiterin Mia. Ich glaub, ihr einfach mal.

San Lorenzo von außen

Am Sonntagvormittag laufen im Dom die Messen, an Innenbesichtigung war also nicht zu denken. Es hat auch jemand am Eingang aufgepasst.

San Lorenzo

Zwei steinerne Löwen bewachen das Mittelportal.

Löwe

Die Kathedrale San Lorenzo ist außen komplett aus schwarz-weiß gestreiftem Marmor und treffen auf gotische Portale.

Chiesa del Gesù

Zwei Minuten weiter, an der Piazza Matteotti, steht die Chiesa del Gesù. Von außen unauffällig, innen der prächtigste Barockraum der Stadt – und trotzdem geht kaum jemand hinein. Der Eintritt ist frei.

Chiesa del Gesù

Piazza De Ferrari

Vom Mittelalter ins 20. Jahrhundert sind es in Genua hundert Meter. Die Piazza De Ferrari ist das repräsentative Herz der modernen Stadt: ein runder Platz, ringsum Jugendstil- und Beaux-Arts-Fassaden, der Palazzo della Borsa von 1912 und das Opernhaus Teatro Carlo Felice. In der Mitte der große Bronzebrunnen.

Brunnen

Via Garibaldi – die Palaststraße

Wenn Genua einen Ort hat, an dem man verstehen kann, wie reich diese Stadt einmal war, dann ist es diese Straße.

Die Via Garibaldi ist 250 Meter lang und besteht praktisch ausschließlich aus Palästen des 16. Jahrhunderts. Seit 2006 sind sie als Palazzi dei Rolli UNESCO-Welterbe. Der Hintergrund ist ungewöhnlich: Genua hatte keinen Herrscherpalast, in dem man Staatsgäste unterbringen konnte. Also führte die Republik Listen – die rolli – mit privaten Adelspalästen, und wer als Gast in die Stadt kam, wurde per Los einem dieser Häuser zugeteilt. Je hochrangiger der Besuch, desto prächtiger der Palast.

Via Garibaldi

Der Trick beim Durchgehen: langsam laufen und in jeden offenen Torbogen schauen. Von der Straße aus sieht man nur Fassaden. Dahinter liegen Innenhöfe mit Freitreppen, Loggien und hängenden Gärten – eine Abfolge von eng nach weit, die man nicht erwartet.

Hinter einer dieser Fassaden, im Palazzo Doria-Tursi, liegt außerdem das berühmteste Musikinstrument der Stadt. Dazu gleich mehr.

Innenhof

Paganini und Genua

Jetzt ein kurzer Abstecher zur ersten großen Persönlichkeit aus Genua. Niccolò Paganini wurde 1782 in Genua geboren, in einer engen Gasse der Altstadt. Zu Lebzeiten war er das, was man heute einen Weltstar nennen würde – der „Teufelsgeiger", von dem das Gerücht ging, er habe seine Technik nicht ganz mit rechten Dingen erworben.

Sein Instrument hieß „Il Cannone", die Kanone, wegen seines gewaltigen Tons. Gebaut hat es 1743 Bartolomeo Guarneri, genannt „del Gesù", in Cremona. In seinem Testament von 1837 bestimmte Paganini, dass die Geige seiner Heimatstadt zufallen und dort auf Dauer bewahrt werden soll.

Genau das ist passiert. Seit 1851 liegt „Il Cannone" im Palazzo Doria-Tursi an der Via Garibaldi, also in einem der Rolli-Paläste, an den ich mir angeschaut habe.

Palazzo Doria-Tursi

Ein Restaurator und ein Geiger kümmern sich bis heute um den Zustand des Instruments – es wird regelmäßig gespielt, damit es nicht verstummt. Und wer den Internationalen Violinwettbewerb Premio Paganini gewinnt, darf einmal darauf spielen. Das ist vermutlich die schönste Trophäe, die ein Musikwettbewerb zu vergeben hat.

Mit dem Aufzug nach oben

Genua ist steil, und die Genueser haben daraus ein Verkehrssystem gemacht: öffentliche Aufzüge und Standseilbahnen, die als normaler Nahverkehr gelten.

Der Ascensore Castelletto ist von 1909, innen Art déco, und braucht dreißig Sekunden für sechzig Höhenmeter.

Ascensore Castelletto

Spianata Castelletto – das Bild des Tages

Oben liegt einem die Stadt zu Füßen, und zwar buchstäblich.

Spianata Castelletto

Die Spianata Castelletto ist eine Terrasse auf rund 130 Metern Höhe. Von hier sieht man das gesamte historische Zentrum – das dichteste vorindustrielle Stadtgefüge Europas – als geschlossene Dachlandschaft bis hinunter zum Hafen. Dazwischen die Kirchtürme, dahinter die Kräne, und weiß und unübersehbar das eigene Schiff.

Obrn

Abstieg und Caruggi

Hinunter ging es zu Fuß über die Treppengassen der Salita San Nicolò, etwa eine Viertelstunde.

Unten beginnt dann der Teil, für den man nach Genua fährt: die Caruggi. Das mittelalterliche Gassengewirr ist UNESCO-Welterbe und gleichzeitig ein ganz normal bewohntes Viertel. Manche Gassen sind kaum breiter als ein Meter, die Balkone auf beiden Seiten kommen sich fast in die Quere, dazwischen hängt Wäsche.

Santa Maria delle Vigne und Piazza Banchi

Santa Maria delle Vigne ist Genuas älteste Kirche. Außen ein romanischer Backstein-Campanile aus dem 11. Jahrhundert, nüchtern und schwer. Innen ein vollständig vergoldeter Barockraum. Der Sprung zwischen beidem ist absurd, und fast niemand steht drin.

Gasse

Nebenan die Piazza Banchi, früher der Platz der Geldwechsler. Eine schlichte Loggia im Gassengewirr, ein Ort zum Durchatmen.

Porta Soprana und das Haus des Kolumbus

Die Porta Soprana von 1155 ist das einzige erhaltene mittelalterliche Stadttor Genuas: zwei mächtige Rundtürme, dazwischen der Torbogen, außen dicht mit Efeu bewachsen. Man läuft einfach hindurch, und für einen Moment ist die moderne Stadt weg.

Porta Soprana

Direkt daneben steht ein kleines Haus mit Efeu und Weinlaub davor. Es gilt als Elternhaus des Christoph Kolumbus. Das Haus wurde übrigens zerstört und wurde wieder neu aufgebaut.

Haus von Kolumbus

Kolumbus und Genua

Kolumbus wurde 1451 in Genua geboren, als Sohn des Wollwebers Domenico Colombo. Nach den Archivunterlagen wohnte die Familie zwischen etwa 1455 und 1470 in diesem Haus vor der Porta Soprana – Kolumbus war da vier Jahre alt, als sie einzogen. Im Erdgeschoss die Werkstatt des Vaters, oben zwei kleine Kammern. Kein Herkunftshaus für einen Weltentdecker, sondern die Wohnung einer Handwerkerfamilie.

Focaccia und Gelato

Ich habe auch mal eine Focaccia genovese probiert: dünn, salzig und mit Olivenöl. Ein Stück direkt aus der Focacceria, 4,75 Euro.

Focaccia

Danach ein Eis aus einer der Gelaterien in den Gassen, zwei Kugeln für 4,50 Euro. Cocco und Tiamusu habe ich ausgewählt.

Eis

Die Route im Überblick

Info Wert
Ablauf Komplett zu Fuß, ca. 8 km, ein Aufzug als einziges Verkehrsmittel
Zu Fuß Porto Antico, Sottoripa, San Lorenzo, Gesù, De Ferrari, Via Garibaldi
Nach oben Ascensore Castelletto, 60 Höhenmeter in 30 Sekunden
Höhepunkte Spianata Castelletto, Innenhöfe der Rolli-Paläste, die Granate im Dom
Schatten in den Caruggi durchgehend, auf den Plätzen kaum
Wichtig San Lorenzo sonntags erst nach der Mittagsmesse zugänglich
Zeitdruck All Aboard 15:30 Uhr – die kürzeste Liegezeit der Reise

Die Kosten

Posten Preis
Focaccia genovese 4,75 €
Gelato, zwei Kugeln 4,50 €
Ascensore Castelleto 2,00 €
Summe 11,25 €

Der günstigste Hafentag der Reise. Porto Antico, Sottoripa, San Lorenzo, Chiesa del Gesù, Via Garibaldi, Piazza San Matteo, Santa Maria delle Vigne, Porta Soprana und die Spianata Castelletto kosten alle keinen Eintritt. Der Ascensore Castelletto schlägt mit 2 Euro zu Buche, kontaktlos zu bezahlen.

Abendessen

Abendessen um 19:30 Uhr im Hauptrestaurant, feste Tischzeit.

Vorspeise

Mariniertes pochiertes Barschfilet, rote Zwiebeln, Zitrone, Koriander, Paprika-Coulis

Hauptgericht

Gegrillte Goldmakrele, Fenchel-Gurken-Salat, Mango-Sauce, Orangen-Reis-Pilaw

Dessert

Sachertorte – österreichischer Schokoladenkuchen mit Aprikosenfüllung

Abendshow

EKO - Recycled Rock Show

Show