Marseille, la belle vie – ein Tag zwischen Hafen und Meer
Zu Fuß durch Le Panier, hinauf zur goldenen Madonna und Fahrt mit dem Colorbus
Erster Hafen der Reise – zu Fuß durch die Altstadt und mit dem Colorbus an die Küste
Bonjour aus Marseille. Die MSC World Europa liegt heute im ersten Hafen der Reise, und Marseille ist kein schlechter Start: 2.600 Jahre alt, zweitgrößte Stadt Frankreichs, gegründet als griechisches Massalia. Hier ein paar Informationen zur Stadt.
| Info | Wert |
|---|---|
| Ort | Marseille |
| Land | Frankreich |
| Flagge | 🇫🇷 |
| Koordinaten | 43.2965° N, 5.3698° E |
| Einwohner | ca. 886.000 (Stadt), ca. 1,65 Mio. (Ballungsraum) |
| Temperatur Luft | ca. 27 °C |
| Temperatur Wasser | ca. 24 °C |
| Region | Provence-Alpes-Côte d'Azur, Département Bouches-du-Rhône |
| Zeitzone | MESZ (UTC+2) |
| Lage | Mittelmeer, Golfe du Lion |
| Anleger | Marseille Provence Cruise Terminal (MPCT), Bassins Est |
| Gegründet | um 600 v. Chr. als Massalia |
Mit dem Shuttle in die Stadt
Der Kreuzfahrtterminal liegt im Industriehafen, mitten zwischen Containerbrücken und Fährterminals. Zu Fuß kommt man da nicht raus. Um 08:45 Uhr ging der MSC-Shuttle, 14 Euro für Hin- und Rückfahrt, etwa eine halbe Stunde durch das Hafengelände bis zur Place de la Joliette. Das Ticket habe ich mir am Vortag organisiert.

Cathédrale La Major
Vom Shuttlepunkt sind es ein nur paar Schritte zur Kathedrale. Früh morgens war nicht viel los.

Die Cathédrale Sainte-Marie-Majeure, kurz La Major, wurde zwischen 1852 und 1893 gebaut, byzantinische Kuppeln auf romanischer Gliederung, verkleidet mit grün-weißen Streifen aus Carrara-Marmor und grünem Serpentinstein. 142 Meter lang. Damit ist sie länger als Notre-Dame in Paris.
MuCEM und die Passerelle
Gleich nebenan der Gegenentwurf. Das MuCEM, das Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers, steckt in einer Hülle aus dunkelgrünem Betongeflecht. Rudy Ricciotti hat das 2013 gebaut, und das Ding sieht aus wie ein Stück Spitze, das jemand in Beton gegossen hat.

Der eigentliche Punkt ist aber die Passerelle: 130 Meter Fußgängerbrücke über offenes Wasser hinüber zum Fort Saint-Jean.

Das Museum selbst habe ich mir gespart. Der Zeitplan war eng, und die Architektur reicht mur von außen.
Fort Saint-Jean
Ludwig XIV. ließ es 1660 bauen, nachdem sich Marseille gegen ihn aufgelehnt hatte – und richtete die Kanonen vorsorglich auf die eigene Stadt statt aufs Meer. Heute sind es Gärten und Wehrgänge. Interessant ist hier weniger das Fort als der Blick von ihm: Geht man um die Mauer herum, öffnet sich plötzlich der ganze Vieux-Port. Nach Süden steht Notre-Dame de la Garde klein und weit auf ihrem Hügel. Da wollte ich später hoch.

Le Panier
Hinter der Kathedrale beginnt Le Panier, das älteste Viertel der Stadt. Hier stand Massalia, hier fing vor 2.600 Jahren alles an.
Von Großstadt ist wenig zu spüren. Enge Gassen, Treppen, verwitterte Fassaden in Ocker und Rosa, Wäscheleinen, Street-Art, Pflanzen vor den Türen.

Und an vielen Wänden befindet sich Street-Art.

Eher provenzalisches Dorf als zweitgrößte Stadt Frankreichs. Die Place des Moulins ist vermutlich der stillste Platz von Marseille.
Wichtig: Das ist ein Wohnviertel, kein Freilichtmuseum. Die Leute wohnen hinter den fotogenen Fassaden. Mitten im Gassengewirr liegt die Vieille Charité, ein barockes Armenhaus von 1671 bis 1749. Rosa Arkaden auf drei Etagen um einen Innenhof, in der Mitte eine ovale Kapelle.

Der Hof ist frei zugänglich, und der Kontrast zu den Gassen davor ist ziemlich abrupt.
Vieux-Port und die Ombrière
Runter zum Alten Hafen Vieux-Port. Von hier sieht man auch Notre-Dame de la Garde ganz oben auf dem Berg. Da geht es für mich später zu Fuß hoch.

Aber es ging erst Mal weiter an der Hafenpromenade. Fischerboote, Segelmasten, Cafés, und dann am Quai des Belges eine polierte Stahlplatte auf dünnen Stützen: die Ombrière von Norman Foster, 2013.

Von außen sieht man eine Konstruktion. Das Motiv entsteht erst darunter. Man stellt sich drunter, schaut nach oben, und da hängt der Hafen kopfüber – Boote, Häuserzeile, Menschen, Autos, man selbst. Realität und Spiegelbild gleichzeitig.

Abbaye Saint-Victor
Auf der Südseite des Hafens steht die Abbaye Saint-Victor, eine der ältesten christlichen Anlagen des Westens mit Ursprüngen im 5. Jahrhundert. Von außen sieht sie aus wie eine Burg: massiver Kalkstein, Wehrtürme, kein einziges dekoratives Detail.

Der Grund für den Besuch liegt aber unten. Für 3 Euro geht es in die Krypta – die romanische Unterkirche mit frühchristlichen Sarkophagen. Kühl, dunkel, sehr alt.

Und auch die schwarze Madonna findet man dort.

Der Aufstieg zu Notre-Dame de la Garde
1,4 Kilometer, rund 150 Höhenmeter, eine gute halbe Stunde. Es war der einzige Anstieg des Tages und bei den Temperaturen auch der einzige, den ich brauchte. Wer will, nimmt den Petit Train ab Vieux-Port.
Ich bin natürlich gelaufen. Die Route führt über den Boulevard André Aune und die Rue Fort du Sanctuaire, die letzten 400 Meter sind steil.

Oben, auf 162 Metern, steht die Basilika – und darauf eine 11,20 Meter hohe vergoldete Madonna. Die Marseillais nennen sie „la Bonne Mère", die gute Mutter. Sie ist von fast überall in der Stadt zu sehen.

Der Blick von der Terrasse ist der Grund, warum man hier hochgeht. Häusermeer bis zu den Bergen, der Vieux-Port als saubere U-Form im Stadtgefüge, Fort Saint-Jean, La Major, die Frioul-Inseln, dahinter das offene Mittelmeer.

Die Votivgaben
Innen wird es dann still. Wände und Decke hängen voller Ex-Votos: gemalte Schiffbruchszenen aus dem 19. Jahrhundert, Schiffsmodelle, Rettungsringe, Marmortafeln.

Jedes dieser Bilder ist ein Dankeschön. Jemand ist nicht ertrunken, jemand ist zurückgekommen, und dafür hängt hier eine Tafel. Marseille ist eine Hafenstadt, und in einer Hafenstadt geht es beim Meer nicht um Urlaub.

Abstieg und Colorbus
Bergab dieselbe Strecke, in der Hälfte der Zeit. Alle paar Minuten habe ich mich umgedreht: Die goldene Madonna wird kleiner und kleiner.
Unten am Quai des Belges bin ich in den Colorbus gestiegen, den Hop-on-Hop-off der Stadt.

23 Euro für das Tagesticket, vorab online gekauft, kein Anstellen.
Corniche Kennedy
Zurück in den Bus, und dann kommt der Teil, für den sich das Oberdeck lohnt. Die Corniche Kennedy zieht sich über fünf Kilometer auf Klippen direkt über dem Mittelmeer entlang, vorbei an der Plage des Catalans.
Links das Meer, rechts die Felsen, dazwischen Läufer, Roller und Verkehr. Bei klarer Sicht sieht man von hier die Frioul-Inseln und das Château d'If.
Vallon des Auffes
Der Vallon des Auffes ist ein winziges Hafenbecken zwischen Felswänden, überspannt vom Betonviadukt der Corniche. Bunte Fischerhütten, hölzerne Boote, Netze, Taue, Katzen.
Zurück an Bord
Der Colorbus fuhr die Schleife weiter über Corderie und Vieux-Port zurück zur Place de la Joliette.

Von dort mit dem Shuttle durchs Hafengelände. Gegen 15 Uhr war ich wieder an Bord, deutlich vor der All-Aboard-Zeit.
Die heutige Route im Überblick
| Info | Wert |
|---|---|
| Ablauf | Nördlicher Cluster zu Fuß, danach Colorbus entlang der Küste |
| Zu Fuß | La Major, MuCEM, Fort Saint-Jean, Le Panier, Vieux-Port, Saint-Victor |
| Aufstieg | ca. 1,4 km und 150 Höhenmeter zur Notre-Dame de la Garde |
| Mit dem Bus | Palais du Pharo, Corniche Kennedy, Vallon des Auffes |
| Höhepunkte | Passerelle am MuCEM, Ex-Votos in der Basilika, Vallon des Auffes |
| Schatten | in Le Panier reichlich, beim Aufstieg kaum |
Die Kosten
| Posten | Preis |
|---|---|
| MSC-Shuttle, Hin- und Rückfahrt | 14,00 € |
| Colorbus, Tagesticket | 23,00 € |
| Krypta Abbaye Saint-Victor | 3,00 € |
| Summe | 40,00 € |
Alle anderen Sehenswürdigkeiten des Tages – La Major, Fort Saint-Jean, Vieille Charité, Notre-Dame de la Garde – kosten keinen Eintritt.
Und hier noch ein Spezialfoto, wo wir Marseille verlassen.

Abendessen im Bubbles
Zum Abendessen ging es wieder ins Bubbles, einem der Hauptrestaurants auf Deck 6. Ich habe Tischnummer 679 für die gesamte Reise zugewiesen bekommen. Das Abendessen dauert ca. 1 Stunde, was mich zeitlich nicht überfordert.
Vorspeise
Marinierter Ziegenkäse, gegrilltes Gemüse-Antipasto, Basilikumöl
Hauptgericht
Schweinefiletmedaillons, saisonales Gemüse, Trüffelkartoffelpüree, Balsamico-Demi-Glace
Dessert
Zweierlei Schokoladenkuchen, Sacher-Biskuit, Bayerische Creme
Bei meiner Abendveranstaltung ging es heute zum Broadway.
