Valletta: Die Hauptstadt von der anderen Seite

Fünfter Hafen der Reise – morgens Birgu und nachmittags Valletta.

Bonġu aus Valletta. Heute Morgen bin ich früh aufgestanden, damit ich kurz nach 8 Uhr das Kreuzfahrtschiff verlassen kann. Aber erst Mal ein paar Informationen über Valetta.

Info Wert
Ort Valletta (maltesisch: Il-Belt), Hauptstadt von Malta
Einwohner rund 5.800 – die kleinste Hauptstadt der EU
Fläche Altstadt etwa 0,8 km² mit über 300 historischen Gebäuden
Gegründet 1566 durch den Johanniterorden nach der Großen Belagerung von 1565
UNESCO Gesamte Stadt seit 1980 Weltkulturerbe
Sprachen Maltesisch und Englisch
Währung Euro
Anlegestelle Pinto Wharf, Valletta Waterfront
Liegezeit 08:00 – 17:00 Uhr
Temperatur 31 Grad

Der Plan: Birgu vormittags, Valletta nachmittags

Die meisten Kreuzfahrtgäste machen es genau andersherum. Sie gehen von Bord und direkt in die Stadt. Ich halte mich an die Anweisungen von meiner digitalen Reisebegleiterin.

Mit der Dgħajsa nach Birgu

Vom Pinto Wharf geht es rund 700 Meter an der restaurierten Barockfassade der Valletta Waterfront entlang nach Osten – die ehemaligen Lagerhallen von Großmeister Pinto aus dem Jahr 1752. Am Lascaris Wharf liegen die Dgħajsas.

Das sind die traditionellen maltesischen Holzboote: hochgezogener Bug, kräftige Farben und vorn zwei aufgemalte Augen. Das Motiv ist phönizisches Erbe, die sogenannten Augen des Osiris, die das Boot vor Unheil bewahren sollen.

Überfahrt

Ich war etwas skeptisch, ob ich da an Bird gehen soll. 3 Euro, fünf Minuten Überfahrt, und man wird direkt in Birgu abgesetzt. Die Alternative wäre die Fähre – die fährt aber nach Cospicua, und das bedeutet zwölf Minuten zusätzlichen Fußweg.

Fort St. Angelo

10 Euro Eintritt bei Heritage Malta, und dafür bekommt man das älteste durchgehend befestigte Bauwerk Maltas. Die ersten Befestigungen an dieser Stelle reichen in phönizische Zeit zurück, die heutige Form stammt im Kern aus dem 16. Jahrhundert, überarbeitet in den 1690er-Jahren durch Carlos de Grunenbergh.

Fort St. Angelo

Hier hatte Jean de Valette 1565 sein Hauptquartier während der Großen Belagerung. Der Sieg wird jedes Jahr am 8. September gefeiert – also gestern. In Birgu und Senglea hängt noch Schmuck von der Regatta.

Regatta Birgu

Collachio – das Ordensviertel von 1530

Hinter dem Fort liegt das Collachio, der ummauerte Ordensbereich von Birgu und der älteste Teil der ältesten bewohnten Stadt Maltas.

Hier stehen die Ur-Herbergen: Auberge de France, Auberge d'Angleterre, Auberge d'Allemagne. Kleine, wehrhafte Häuser mit Renaissance-Portalen – nichts von dem Repräsentationsbarock, den der Orden sich später in Valletta leistete.

Gasse

Die Gassen sind teilweise keine zwei Meter breit. Die Balkone gegenüber sind so nah, dass die Wäscheleinen quer darüber hängen. Alles aus demselben goldgelben Kalkstein. Und nur wenig Touristen.

Innenhof

An der Triq il-Mina l-Kbira steht der Inquisitionspalast – eines der wenigen erhaltenen Gebäude dieser Art in Europa. Von außen angeschaut, drinnen war heute keine Zeit.

Inquisitonspalast

St. Lawrence Church und Krypta

Die St. Lawrence Church in Birgu war nach der Ankunft der Johanniter 1530 zunächst ihre wichtigste Kirche auf Malta – noch bevor Valletta und die St. John’s Co-Cathedral entstanden.

St. Lawrence Church

Und so sieht es in der Kirche aus.

Kirche - Innen

Besonders spannend fand ich die kleine Krypta unter der Kirche. Zwischen Gräbern, Kerzen und ziemlich makabren Totenkopf- und Skelettdarstellungen steht eine nachgestellte Totenbahre. Das Ganze folgt dem Gedanken des Memento mori: Am Ende macht der Tod keinen Unterschied zwischen einfachen Menschen, Rittern oder hohen Geistlichen. Ein etwas düsterer, aber gerade deshalb sehenswerter Abstecher unter die prachtvolle Kirche.

Krypta

Geocaching in Birgu

GC7EZ1C – Fort St. Angelo

Ein Traditional Cache von NathanMagro, versteckt seit November 2017, Micro, D1/T2. Zum Listing

Geocaching Birgu

Die Dose liegt am äußeren Rand des Forts mit Blickrichtung Valletta.

Geocache

Adventure Lab „Birgu"

Fünf Stationen, die sich vollständig zu Fuß im Collachio und an der Waterfront abgehen lassen:

  • The Norman House – ein mittelalterliches Wohnhaus mit siculo-normannischem Fenster, eines der ältesten Gebäude der Stadt
  • Auberge d'Angleterre – die Herberge der englischen Zunge von 1534, heute öffentliche Bibliothek
  • Inquisitor's Palace – Sitz der Inquisition ab 1574, heute Nationalmuseum für Ethnographie
  • Maritime Museum – in der ehemaligen Royal Naval Bakery von 1842, dem markantesten Bau der Birgu-Skyline
  • Advanced Gate / L-Ewwel Mina – das äußere Tor der Landfront, der historische Zugang zur Stadt

Das Lab passt praktisch verlustfrei in die Vormittagsrunde. Wer Fort St Angelo, Collachio und Waterfront ohnehin abgeht, kommt an fast allen Stationen vorbei.

Zurück nach Valletta

Von Birgu ging es wieder mit dem Boot zurück nach Valetta.

Überfahrt

Oder hier ein Video von mir und der Überfahrt.

https://youtu.be/Pmt30Z2W9Xk?is=CkHgD8AzCPgay1xh

Mit dem Barrakka Lift bin ich natürlich auch gefahren.

Lift

Der Lift überwindet 58 Höhenmeter in 23 Sekunden und setzt einen direkt an den Upper Barrakka Gardens ab. Von unten ist die Konstruktion vor der Bastionsmauer ein Motiv für sich.

Zur Spitze und zurück

Fort St Elmo von außen. Hinein bin ich nicht – das Museum behandelt vor allem das 20. Jahrhundert, und die Zeit war knapp. Aber die Landzunge davor ist der einzige Punkt, von dem aus man beide Häfen gleichzeitig sieht: rechts der Grand Harbour, links Marsamxett mit Sliema dahinter. Hier gibt es übrigens auch eine Bademöglichkeit.

Badebereich

Historisch ist das der Ort, an dem 1565 alles begann. Das Fort hielt vier Wochen und fiel am 23. Juni. Diese vier Wochen kosteten die Osmanen so viel Zeit und so viele Männer, dass die Belagerung danach nicht mehr zu gewinnen war.

Dann die Lower Barrakka Gardens mit dem neoklassizistischen Tempelchen für Sir Alexander Ball und daneben die Siege Bell. Deutlich ruhiger als oben – hier kann man tatsächlich einen Moment sitzen.

Zurück geht es nicht durch die Innenstadt, sondern außen über die Bastionspromenade an der Grand-Harbour-Seite. 700 Meter auf der Mauerkrone, links unten der Hafen mit den Three Cities, rechts steigt die Stadt an. Kaum jemand geht hier – dabei wird genau hier die militärische Logik der ganzen Anlage begreifbar.

Upper Barrakka – das Finale

Kurz vor vier noch einmal hinauf in die Upper Barrakka Gardens, die Arkaden von 1661.

Jetzt stimmt das Licht. Die Sonne steht im Westen, direkt im Rücken, und beleuchtet Senglea, Birgu und Fort St Angelo frontal. Vormittags war ich auf der anderen Seite.

Festung

Adventure Lab „Malta's First Adventure Lab"

Das zweite Lab liegt komplett auf der Valletta-Seite und deckt den Nachmittag ab:

  • Fort St Elmo – an der Spitze der Halbinsel, wo 1565 alles entschieden wurde
  • Siege Bell War Memorial – die zehn Tonnen schwere Glocke unter dem Rundtempel an der St-Christopher-Bastion, 1992 eingeweiht für über 7.000 Opfer des Zweiten Weltkriegs
Siege Bell
  • Victoria Gate – das britische Hafentor von 1885 im unteren Stadtteil
Victoria Gate
  • Triton Fountain – die drei Bronzetritonen vor dem City Gate
  • Monument tal-Gwerra – der vergoldete Obelisk in Floriana, 1938 eingeweiht, seit 1949 den Gefallenen beider Weltkriege gewidmet

Zwei Stationen liegen damit außerhalb der eigentlichen Bastionsstadt, am Stadteingang. Das ist der einzige echte Umweg des Tages – aber es sind flache 500 Meter, und der Tritonenbrunnen ist ohnehin einen Blick wert.

Triton Fountain

Abendessen

Abendessen um 19:30 Uhr im Hauptrestaurant, feste Tischzeit. Heute mit Anlass.

Vorspeise

Klassischer Caesarsalat

Hauptgericht

Entenbrust à l'orange, Kartoffelkroketten, Rotkohl

Dessert

Baked Alaska – Biskuit mit Eisschichten

Abendessen an Bord

Morgen der einzige Seetag der Reise. Wecker trotzdem um 06:35 Uhr für den Sonnenaufgang – und die Selbstausschiffung muss angemeldet werden.

Die Route im Überblick

Info Wert
Ablauf Vormittags Birgu, nachmittags Valletta – bewusst gegen den Strom
Überfahrten Dgħajsa nach Birgu, Fähre ab Cospicua zurück, Barrakka Lift hinauf
Zu Fuß Vittoriosa Waterfront, Collachio, Republic Street, Bastionspromenade
Höhepunkte Einfahrt Grand Harbour, Fort St Angelo, St John's, Upper Barrakka am Nachmittag
Geocaching 1 Traditional (GC7EZ1C), 2 Adventure Labs mit zusammen 10 Stationen
Lichtregel Morgens von Birgu auf Valletta, nachmittags von Valletta auf die Three Cities
Spartipp Fährticket aus Cospicua enthält den Barrakka Lift gratis
Zeitdruck All Aboard 16:30 Uhr – Lift um 16:10 bedeutet 16:20 an Bord

Die Kosten

Posten Preis
Dgħajsa Lascaris Wharf → Birgu 3,00 €
Kaffee Vittoriosa Waterfront 4,00 €
Fort St Angelo (Heritage Malta) 10,00 €
Dgħajsa Birgu → Lascaris Wharf 3,00 €
St. Lwarencr Church 1,00 €
Wasser und Cola Zero 4,00 €
Summe 25,00 €

Für einen Hafentag, an dem zwei Festungen, eine der reichsten Kirchen Europas und ein Caravaggio drin sind, ist das ein sehr fairer Kurs. Der teuerste Posten ist die Kathedrale – und die ist jeden Cent wert.