Taormina – Theater, Granita und ein Blick zum Ätna
Sizilien am Hafentag: mit dem Bus hinauf nach Taormina, ins antike Theater, und am Nachmittag zurück nach Messina zum Cristo Re und in die Kathedrale.
Um acht Uhr morgens lag die Straße von Messina vor uns – die engste Stelle der ganzen Reise, gerade einmal drei Kilometer zwischen Sizilien und Kalabrien. Backbord Kalabrien, steuerbord die sizilianische Küste, dahinter die Berge.
Bei der Einfahrt in den Hafen von Messina begrüßt mich die Madonnina del Porto.
Die Inschrift auf dem Sockel: VOS ET IPSAM CIVITATEM BENEDICIMUS — „Wir segnen euch und eure Stadt.”
Hier ein paar Informationen zu Messina.
| Info | Wert |
|---|---|
| Ort | Messina |
| Region | Sizilien, Italien |
| Flagge | 🇮🇹 |
| Koordinaten | 38.1938° N, 15.5540° E |
| Einwohner | ca. 215.000 |
| Temperatur Luft | 31 °C |
| Temperatur Wasser | ca. 26 °C |
| Liegezeit | 09:00 – 18:00 Uhr |
| Schiff | MSC World Europa |
Warum es heute die geführte Tour wurde
Taormina auf eigene Faust ist grundsätzlich machbar. Man nimmt den Zug oder den Interbus nach Taormina-Giardini, dann Taxi oder den Bus hinauf in die Altstadt. Ich hatte mir das vorher angesehen – und mich am Ende trotzdem für die Schiffstour entschieden. Und mein Fahrer ist bei dieser Reise auch nicht dabei. Der Lamborghini Huracán stand schon bereit.
Ein weiterer Grund, den Ausflug über MSC zu buchen, war ein möglicher Streik. Und große Experimente kann man sich auf einer Kreuzfahrt schließlich nicht leisten – das Schiff wartet nicht. Heute wäre mir die Tour auf eigene Faust zu umständlich gewesen für das, was sie am Ende gebracht hätte.
Um halb zehn fuhr der Bus los.
Rund fünfzig Kilometer ging es über die Autostrada A18 an der Ionischen Küste entlang, bevor sich die Straße in Serpentinen hinauf nach Taormina schlängelte. Nach etwa 45 Minuten hatten wir unser Ziel erreicht.
Taormina, oben auf dem Monte Tauro
Taormina liegt spektakulär auf einer Felsterrasse gut 200 Meter über dem Ionischen Meer. Gegründet wurde die Stadt 358 v. Chr. als Tauromenion von Flüchtlingen aus dem zerstörten Naxos unten an der Küste. Heute kommen die Menschen aus einem ganz anderen Grund hierher: Taormina gilt als einer der schönsten Orte Siziliens – und entsprechend voll ist es. Tag für Tag schieben sich Menschenmassen durch die schmalen Gassen der Altstadt, vorbei an kleinen Geschäften, Cafés und historischen Fassaden. Und heute bin ich einer davon.
Das Teatro Antico
Der Hauptgrund, warum man herkommt. Das Theater wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. von den Griechen angelegt und im 2. Jahrhundert n. Chr. von den Römern kräftig umgebaut. Nach Syrakus ist es das zweitgrößte antike Theater Siziliens, der Durchmesser der Cavea liegt bei rund 109 Metern, und das Ganze sitzt auf etwa 250 Metern über dem Ionischen Meer.
Das Bild, das jeder kennt, entsteht durch die Ziegelbögen der Bühnenwand: dahinter das Meer, daneben der Ätna. Diese Bögen sind übrigens römisch, nicht griechisch – die Römer haben die Bühnenwand komplett neu hochgezogen und dabei den Blick verstellt, den die Griechen bewusst offen gelassen hatten. Ausgerechnet dieser Umbau macht heute das Motiv aus. Dass das Theater bis heute bespielt wird, sieht man an der Bestuhlung.
Der Eintritt von 14 Euro war bereits in meiner Tour enthalten. Ein weiterer Vorteil: Ich konnte direkt hineingehen und musste mich nicht erst in die lange Warteschlange vor dem Tickethaus einreihen.
Das Odeon – das kleine Theater, das niemand sucht
In meiner freien Zeit machte ich noch einen Abstecher zum Odeon. Es liegt etwas versteckt hinter der Kirche Santa Caterina, direkt neben dem Palazzo Corvaja – und ist so unscheinbar, dass man vermutlich daran vorbeilaufen würde, wenn man nicht gezielt danach sucht.
Die Römer errichteten das kleine Theater vermutlich im 1. Jahrhundert v. Chr., in der Zeit, als Taormina unter Kaiser Augustus zur römischen Kolonie wurde. Anders als das große antike Theater war das Odeon für einen wesentlich kleineren und exklusiveren Rahmen gedacht. Nur etwa 200 Zuschauer fanden hier Platz, um Musik, Lesungen und kleinere Aufführungen zu erleben.
Auf den ersten Blick wirken die wenigen erhaltenen Steinreihen und Mauern eher unspektakulär. Der Reiz entsteht erst im Kopf: Man muss sich vorstellen, wie hier vor rund 2.000 Jahren die römische Oberschicht Taorminas dicht beieinandersaß und einer Lesung oder einem Konzert lauschte. Ein kleiner Ort, an dem die Vorstellungskraft mehr zu sehen bekommt als die Augen.
Corso Umberto – und die Sache mit den Luxusmarken
Ich habe mir noch das Innere einer der Kirchen am Corso angesehen und bin dann einfach durch die Gassen gelaufen.
Was mich dabei ehrlich überrascht hat: die Dichte an Luxusmarken. Rolex, Audemars Piguet, TAG Heuer, Dior, Louis Vuitton und das sind nicht alle – auf 800 Metern Altstadtgasse in einem Ort mit gut 10.000 Einwohnern.
Es passt allerdings zur Geschichte des Ortes. Taormina ist seit dem 19. Jahrhundert Ziel wohlhabender Reisender, erst der Nordeuropäer auf ihrer Grand Tour, später der Hollywood-Prominenz. Die Stadt lebt seit über hundert Jahren davon, dass gut betuchte Gäste sie schön finden. Trotzdem bleibt der Kontrast merkwürdig: griechisches Theater, römisches Odeon, normannische Bausubstanz – und dazwischen Schaufenster, die genauso in Mailand stehen könnten.
Granita al Limone
In Taormina musste ich natürlich auch eine lokale Spezialität probieren – und bei 31 Grad hätte die Wahl kaum besser ausfallen können.
Für vier Euro gab es eine Granita al Limone: eine sizilianische Spezialität aus Wasser, Zucker und Zitrone, halb gefroren und mit dem Löffel gegessen. Kein klassisches Wassereis, sondern eher eine wunderbar körnige, eisige Erfrischung. Sauer, intensiv nach Zitrone und vor allem herrlich kalt.
Genau das Richtige nach einem Spaziergang durch die heißen und vollen Gassen Taorminas.
Nachmittag in Messina
Zurück ging es mit dem Bus nach Messina. 45 Minuten Ruhezeit. Es standen anschließend zwei weitere Stopps auf dem Programm.
Belvedere Cristo Re
Der Votivtempel Cristo Re steht auf einem Hügel über der Stadt, auf den Resten der normannischen Burg Matagrifone aus dem 12. Jahrhundert. Der heutige Bau stammt aus den 1930er-Jahren, neobarock, angelehnt an die Basilika von Superga bei Turin. Im Unterbau liegen die Gefallenen beider Weltkriege, in der Mitte der Sarkophag des unbekannten Soldaten.
Klingt eigentlich nach einem Ort, den man sich genauer anschauen sollte.
Die meisten aus unserer Gruppe hatten allerdings andere Prioritäten: Sie liefen schnurstracks auf die gegenüberliegende Seite der Terrasse, denn von dort bot sich der deutlich begehrtere Anblick – die MSC World Europa vor der Hafenkulisse von Messina.
Kathedrale und Glockenturm
Danach hinunter zur Piazza del Duomo. Die Kathedrale Santa Maria Assunta geht auf das späte 12. Jahrhundert zurück – was man heute sieht, ist allerdings eine Rekonstruktion. Das Erdbeben von 1908, das Messina fast vollständig zerstörte und Zehntausende tötete, riss auch den Dom nieder. 1943 kamen Brandbomben dazu. Der Bau wurde zweimal wieder aufgerichtet, detailgetreu, aber eben neu.
Der Campanile daneben trägt das größte und komplexeste astronomische Uhrwerk der Welt. 1933 von der Straßburger Firma Ungerer eingebaut, 54 bewegliche Bronzefiguren auf mehreren Ebenen. Jeden Tag um Punkt zwölf setzt sich das Ganze zu Schuberts Ave Maria in Bewegung, angeführt von einem brüllenden Löwen, der die Fahne schwenkt. Leider war ich nicht um 12 Uhr dort, um mir das anzuschauen. Dafür war ich noch in der Kathedrale.
Zurück am Schiff
Die Tour endete planmäßig um 15:30 Uhr.
Kosten des Tages
| Posten | Betrag |
|---|---|
| MSC-Ausflug Taormina & Messina | 90,00 € |
| Granita al Limone | 4,00 € |
| Summe | 94,00 € |
Abendessen an Bord
| Gang | Gericht | Beschreibung |
|---|---|---|
| Vorspeise | Gravlachs | Dill-Senf-Emulsion, Kartoffelsalat, Pumpernickel |
| Hauptgericht | Wolfsbarschfilet | Safran-Beurre-blanc, Gemüse-Quinoa, glasierte Rote Bete |
| Dessert | Weiße-Schokoladen-Mousse-Torte | Waldbeeren |
Abendshow
Amelia - eine atemberaubende Show die die Geschichte dieser Abenteurerin zum Leben erweckt.
Später war ich noch bei einer Freddie Mercury Show.
White Night
Heute Abend ist White Night auf der MSC World Europa – und erstaunlich viele halten sich tatsächlich an den Dresscode.
Wer jetzt allerdings auf ein Foto von einer hübschen Frau im weißen Kleid gehofft hat, wird enttäuscht.
Es gibt nur mich.
Hier noch ein Foto von der späteren White Party.