Mammutmarsch Hannover 2026

Wie ich um 4:30 Uhr aufgestanden bin, einmal quer durch Hannover gelaufen bin, mir unterwegs einen Hot Dog verdient habe – und abends wie ein Pinguin durch den Supermarkt watschelte.

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Planänderung: Von 42 auf 30 – aus Liebe zu meinen Füßen

Eigentlich stand in meiner Anmeldung eine stolze 42 Marathondistanz, zu Fuß, durch Hannover. Klingt gut, liest sich gut im Stempelbuch. Aber ein Blick in den Kalender hat mich ein paar Tage vorher zur Vernunft gebracht: Nächste Woche geht's nach Mallorca, und ich hätte dort gerne heile Füße. Auf Mallorca geht es auch wieder hoch und runter . Aber die Geschichten gibt es in anderen Blogberichten.

Also umgebucht auf die 30 Kilometer. Das Umbuchen geht auf der Seite von Mammutmarsch relativ problemlos. Übrigens habe ich mich auch sehr kurzfristig für den Marsch angemeldet.
Und ganz ehrlich? Ein kleiner, arroganter Teil in mir dachte: 30 Kilometer? Nach meinen letzten Märschen ist das doch ein Spaziergang. Fast schon lächerlich.

Spoiler: Hannover hat gelacht. Aber nicht mit mir.

Der Morgen

4:30 Uhr. Der Wecker klingelt, und ich stelle mir – wie vor jedem Mammutmarsch – kurz die Frage, wer eigentlich auf die Idee gekommen ist, freiwillig zu so etwas anzutreten. Die Antwort: ich selbst. Kann man sich also schlecht beschweren.

Frühstück gab's in der leichten Variante: Kaffee und Toast. Nicht zu viel, nicht zu wenig – der Magen soll ja nicht schon auf dem ersten Kilometer zum Problem werden.

Um 5:15 Uhr ging es los, von Ahnsen Richtung Hannover. Straßen leer, Himmel schwarz, im Radio ein Podcast. Kurz vor 6 Uhr stand ich im Parkhaus Osterstraße – zentral, wenige Minuten zu Fuß vom Start. (Kleiner Tipp für alle Nachahmer: Das Ticket hat mich am Nachmittag 18 Euro gekostet. Kein Schnäppchen, aber für die Lage okay. Ich wollte nicht das Experiment Parken am Maschsee versuchen, soll ja nur bis 4 Stunden möglich sein.)

Check-in vor dem Neuen Rathaus – und eine schwarze Tasse

Start und Ziel lagen – wie könnte es in Hannover anders sein – vor dem Neuen Rathaus am Platz der Menschenrechte. Im Dunkeln angestrahlt ist das Ding übrigens wirklich imposant.

Rathaus im Dunkeln

Der perfekte Rahmen, um sich ein bisschen wie ein Held zu fühlen, obwohl ich eigentlich nur in meinen Altra-Trailrunning-Schuhen herumstehe und auf meine Startgruppe warte.

Check-in lief problemlos: QR-Code aufs Handy, scannen lassen, fertig. Und weil man vor einem langen Marsch ja unbedingt noch Dinge kaufen muss, die man dann nicht herumtragen will, war ich natürlich noch am Merchandising-Stand. Diesmal wurde es die schwarze Tasse. Jetzt habe ich sie in Schwarz und Weiß.

Schwarze Tasse

Ich war in Startgruppe 4, Start um 6:40 Uhr. Und wie so oft: allein. Bisher habe ich es einfach nicht geschafft, jemanden aus meinem Umfeld für so eine Aktion zu begeistern. (Das ist übrigens der Moment, in dem ihr Leser euch angesprochen fühlen dürft – dazu am Ende mehr.)

Die Strecke: Einmal quer durch Hannovers grüne Seite

Wer bei „30 Kilometer durch eine Großstadt" an Asphalt, Ampeln und Abgase denkt, liegt beim Mammutmarsch Hannover ziemlich daneben. Die Strecke war erstaunlich grün, erstaunlich wasserreich – und flach wie ein Pfannkuchen: Laut GPX lagen zwischen tiefstem und höchstem Punkt gerade mal gut elf Meter, insgesamt kamen rund 70 Höhenmeter zusammen. Klingt harmlos. Ist es für die Oberschenkel auch. Für die Fußsohlen leider nicht – dazu später.

Kilometer 0–5: Maschpark und Maschsee im Morgengrauen

Direkt vom Rathaus ging es durch den Maschpark hinunter an den Maschsee, dann am Ostufer entlang Richtung Süden. Um diese Uhrzeit war es noch dunkel, ich hatte meine Jacke an, und über dem Wasser lag diese typische Morgenstille, die nur von hunderten knirschenden Schuhen von uns Gehern unterbrochen wurde. Irgendwann während dieses Abschnitts wurde es langsam hell – Sonnenaufgang am Maschsee inklusive.

Maschsee

Kilometer 5–11: Teiche, Masch und Ricklinger Holz

Hinter dem Südschnellweg wurde es richtig ländlich: Die Route schlängelte sich durch die Döhrener Masch, vorbei an den großen Teichen im Süden der Stadt – Großer Döhrener Teich, Großer Hemminger Teich – und dann in einer ausgiebigen Schleife durch das Ricklinger Holz. Wald, Wasser, Wiesen.

Ricklinger Masch

Irgendwo hatte ich ein Déjà-vu ? War ich hier nicht mit Thomas vor ein paar Wochen mit dem Kanu auf der Leine unterwegs ?

VP 1: Ricklinger Bad (km 11)

Am Ricklinger Bad

Ricklinger Bad

wartete der erste Verpflegungsposten – laut Streckenkarte mit dem Spezial „Belegte Brote". Dazu das inzwischen vertraute Mammutmarsch-Buffet: Eistee, Cola, Instantkaffee, Müsliriegel, Kuchen, Eier und natürlich die Süßigkeiten-Abteilung mit weißen Mäusen und sauren Schlangen. Ich habe von allem ein bisschen probiert, aber bewusst nicht zu viel gegessen.

Kleiner Hinweis für Neulinge: Einen eigenen Becher muss man mitbringen – der gehört beim Mammutmarsch zur Pflichtausrüstung.

Kilometer 11–20: Immer an der Ihme entlang nach Linden und Limmer

Vom Ricklinger Bad ging es nach Norden, vorbei an den Ricklinger Kiesteichen, dann über den Schnellen Graben und immer der Ihme entlang durch Linden-Süd und Linden-Mitte.

Ihme-Zentrum

Irgendwann wurde es warm genug, dass die Jacke im Rucksack verschwand – ab da war ich im T-Shirt unterwegs. Das Wetter war wirklich für perfekt : Sonne, aber nicht zu heiß. Genau so, wie man es sich für einen langen Marsch wünscht.

Wo Ihme und Leine zusammenfließen, schwenkte die Route nach Westen, an der Leine entlang Richtung Limmer und durch die neue Wasserstadt Limmer.

VP 2: Volksbad Limmer (km 19,7) – Hot-Dog-Time!

Und dann: das Volksbad Limmer.

VP 2

Zweiter Verpflegungsposten, und diesmal mit einem Spezial: Hot Dogs! Und man konnte sie sogar selbst belegen.

Und weil ich weiß, dass diese Frage kommt: Ja, Toiletten gab es natürlich auch. Die Damen „freuen" sich an den Verpflegungsposten traditionell auf die Dixi-Klos. Für die Herren gibt es als Alternative Urinale – ein Service, den wir Männer schweigend und dankbar zur Kenntnis nehmen.

Kilometer 20–25: Herrenhausen und der Große Garten

Frisch gestärkt ging es über die Leine nach Herrenhausen – und damit zu einem der Highlights der Strecke: Die Route führte einmal außen rund um den Großen Garten der Herrenhäuser Gärten, am Wassergraben entlang, den man auf der Karte als perfektes Rechteck erkennt. Barocke Gartenkunst am Wegesrand.

Herrenhäuser Gärten

Kilometer 25–30: Nordstadt, Leine – und zurück zum Rathaus

Über die Nordstadt und am Leineufer entlang ging es schließlich zurück in die Innenstadt. Und hier wurde es plötzlich laut: An diesem Samstag war in Hannover richtig viel los. Der DGB hatte zu einem bundesweiten Aktionstag aufgerufen, und in Hannover zog ab 11:30 Uhr ein Demonstrationszug vom Waterlooplatz zum Georgsplatz – also ziemlich genau durch die Ecke, in der wir Mammuts unseren Zieleinlauf hatten. Tausende Menschen, Trillerpfeifen, Lautsprecherwagen. Das Motto der Gewerkschaften lautete übrigens „Hart verdient!" – was ich mir nach 30 Kilometern auch ganz persönlich auf die Medaille hätte gravieren lassen können.

Das Ziel: Urkunde, Medaille, Stempel – und ein Bier

Am Neuen Rathaus schloss sich der Kreis.

Ziel

Im Ziel gab es:

  • eine Urkunde,
  • eine Medaille,
  • einen Stempel über weitere 30 Kilometer in meinem Mammutmarsch-Stempelbuch,
  • und ein Bier. Für mich natürlich alkoholfrei.

Ich bin kein Biertrinker. Aber nach 30 Kilometern schmeckt sogar mir ein alkoholfreies Pils richtig gut.

Ein Pils für mich

Und dann kam die Wahrheit über die „lächerlichen" 30 Kilometer

Mein Plan war ambitioniert: nach dem Marsch noch gemütlich in die Stadt, ein bisschen bummeln, vielleicht einen Kaffee oder leckeres Eis. Der Plan hatte allerdings nicht mit meinen Beinen gerechnet. Die waren nämlich ganz schön schwer und haben mich direkt zu Parkhaus geführt. Also habe ich die Innenstadt Innenstadt sein lassen und bin gegen 13 Uhr nach Hause gefahren.

Lektion des Tages: Es gibt keine lächerlichen 30 Kilometer. Flach heißt nicht leicht – im Gegenteil. Auf Asphalt und festen Wegen ohne Steigung belastest du immer dieselben Muskeln, Sehnen und Stellen an den Füßen. Kilometer für Kilometer. Die Strecke ist nicht spektakulär anstrengend, sie ist gleichmäßig anstrengend. Und das merkt man.

Der Pinguin-Effekt

Abends musste ich noch einkaufen. Mit Muskelkater. Wer schon mal nach einem langen Marsch durch die Gänge eines Supermarkts geschlichen ist, kennt den Gang: steif, breitbeinig, leicht wankend. Wie ein Pinguin. Und genau in diesem Moment – irgendwo zwischen Kühlregal und Kasse – kommt sie wieder, die große Sinnfrage: Warum mache ich das eigentlich?

Die Antwort kommt zuverlässig am nächsten Morgen. Die Sinnfrage hält nämlich exakt eine Nacht. Dann wacht man auf, die Beine grummeln noch ein bisschen – und man hat schon wieder Lust auf den nächsten Marsch. Das ist das Mammutmarsch-Paradox, und ich habe aufgehört, dagegen anzukämpfen.

Belohnt habe ich mich abends übrigens mit einem kleinen Gyros-Teller. Klein, weil ich vernünftig bin. Gyros, weil ich es mir verdient hatte. Hart verdient, sozusagen.

Die Eckdaten auf einen Blick

Event Mammutmarsch Hannover 2026
Datum Samstag, 26.09.2026
Distanz 30 km (ursprünglich 42 km gebucht)
Höhenmeter ca. 70 m – praktisch flach
Start/Ziel Neues Rathaus, Platz der Menschenrechte
Meine Startzeit 6:40 Uhr (Startgruppe 4)
VP 1 Ricklinger Bad, km 11 (Spezial: belegte Brote)
VP 2 Volksbad Limmer, km 19,7 (Spezial: Hot Dogs)
Highlights Maschsee, Ricklinger Holz & Teiche, Ihme- und Leineufer, Herrenhäuser Gärten
Parken Parkhaus Osterstraße, 18 €
Wetter morgens frisch und dunkel, später sonnig und angenehm
Zielverpflegung Bier (bei mir alkoholfrei)
Beute Urkunde, Medaille, Stempel, schwarze Tasse

Fazit: Hannover kann Mammutmarsch

Der Mammutmarsch Hannover war für mich eine echte Überraschung. Ich hatte eine Stadtstrecke erwartet und bekam Seen, Wald, Flussufer und Barockgärten. Die Organisation war wie gewohnt souverän, die Verpflegungsposten gut bestückt (Hot Dogs!), das Wetter perfekt. Und die 30 Kilometer haben mir eindrucksvoll bewiesen, dass man keine Distanz unterschätzen sollte, nur weil man schon längere geschafft hat.

Für Einsteiger ist die 30-km-Strecke in Hannover ideal: flach, gut erreichbar, abwechslungsreich und mit Abbruchmöglichkeiten dank ÖPNV entlang der Route.

Und jetzt zu dir …

Und wer hat Lust auf den nächsten Mammutmarsch bekommen ? Wer Lust hat, beim nächsten Mal mitzulaufen, kann sich melden oder
Wir sehen uns auf der Strecke. 🦣