Mallorca Tag 2: Einmal rund um den Tossals Verds
Nach dem Anreisetag mit Wecker um Mitternacht hätte ich mir heute einen gemütlichen Tag am Meer verdient. Ich hatte auch eine kleine Tour mit Bademöglichkeit rausgesucht, aber Andreas hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass heute das perfekte Wetter für eine Wanderung im Tramuntana Gebirge ist.
Also habe ich das Tagesprogramm geändert - auf die Runde um den Puig des Tossals Verds, Start und Ziel am Cúber-Stausee mitten in der Serra de Tramuntana.
Frühstück, Supermercado, Serpentinen
Um 09:30 Uhr ging es mit dem Mietwagen los. Erster Halt: ein Supermercado. Wasser und Proviant für unterwegs, denn auf dem Weg gibt es zwar eine Berghütte, aber eben auch ein paar Stunden davor und danach nichts.
Die Anfahrt zum Cúber-Stausee führt über die Ma-10, eine der schönsten Bergstraßen der Insel. Kurve an Kurve, Fels rechts, Abgrund links, und ständig Radfahrer, die diese Strecke offenbar zum Vergnügen hochfahren. Hier der Blick auf den Stausee.
Start am Cúber-Stausee
Um 11:15 Uhr ging es am Parkplatz am Cúber-Stausee los, auf rund 750 Metern Höhe.
Der Stausee liegt in einem weiten Hochtal, darüber thront der Puig Major, Mallorcas höchster Berg, samt Militäranlage auf dem Gipfel.
Wir sind die Runde gegen den Uhrzeigersinn gelaufen. Heißt konkret: An der ersten Gabelung kurz hinter dem Parkplatz geht es rechts auf die Variante des GR 221 über den Pas Llis. Die meisten Beschreibungen empfehlen genau diese Richtung, und nach dem ersten Kilometer weiß man auch, warum: Den steilsten Anstieg hat man so gleich zu Beginn hinter sich, solange die Beine noch frisch sind.
Hoch zum Coll de sa Coma des Ases
Und steil ist er. In engen Zickzackkehren windet sich der Pfad hinauf zum Coll de sa Coma des Ases auf gut 900 Metern, dem höchsten Punkt der gesamten Runde. Dafür gibt es oben einen Blick zurück, der sich lohnt: unten der Cúber, dahinter der Gorg Blau, der zweite Stausee im Tal, und der Puig Major.
Pas Llis: Die Stelle mit der Kette
Hinter dem Pass folgt das, was diese Runde von einem normalen Spaziergang unterscheidet: der Pas Llis. Eine felsige, glatt geschliffene Passage, an der eine Kette beim Abstieg hilft. Technisch ist das kein Klettersteig, aber man ist froh, dass da etwas zum Festhalten ist.
Danach geht es über steiniges Kalkgelände in leichtem Auf und Ab Richtung Südosten, mit Blick hinunter in die Schlucht des Torrent d'Almadrà. An der ausgeschilderten Kreuzung rechts halten, dann steigt der Weg ab zur Berghütte.
Pause am Refugi Tossals Verds
Um 13:45 Uhr erreichten wir das Refugi Tossals Verds. Die Hütte liegt auf rund ca. 540 Metern am Fuß des Massivs und gehört zu den Etappenstationen des GR 221, dem Trockenmauerweg quer durch die Tramuntana.
Wer den ganzen Weg läuft, übernachtet hier. Wir haben uns mit einer ordentlichen Pause begnügt. Und im Refugi gab es eine kalte Cola Zero. Die 5 Euro für zwei Cola Dosen habe ich gerne bezahlt.
Ein Hinweis für alle, die die Runde nachlaufen wollen: Bis hierher hat man zwar den höchsten Punkt hinter sich, aber nicht die Höhenmeter. Von der Hütte bei rund 540 Metern geht es zurück auf über 800 Meter.
Durch Olivenhain und Steineichenwald zum Coll des Coloms
Hinter der Hütte steigt der Weg wieder an, erst steiler, dann gemächlicher, durch alte Olivenbäume und schattigen Steineichenwald. Unterwegs quert man den Torrent des Prat, der um diese Jahreszeit meist trocken oder fast trocken ist.
Am Coll des Coloms auf gut 800 Metern zweigt der Pfad zum Gipfel des Puig des Tossals Verds ab, 1.118 Meter hoch. Den haben wir ausgelassen. Hin und zurück hätte das noch einmal rund zwei Stunden gekostet.
Am Kanal zurück zum Cúber
Das letzte Stück ist der entspannte Teil: Der Weg führt am betonierten Wasserkanal entlang zurück zum Stausee, nahezu eben, mit Blick auf Gorg Blau und Puig Major.
Um 16:15 Uhr waren wir zurück am Parkplatz. Fünf Stunden inklusive Pause, das passt gut zu den Angaben in den gängigen Tourenbeschreibungen.
Erholung und Abendessen
Gegen 18:00 Uhr waren wir zurück im Hotel. Die folgende Stunde lief offiziell unter „Erholung“, inoffiziell unter „Dusche, Bett, TV“. Um 19:00 Uhr ging es zum Abendessen, das sich nach diesem Tag mehr als verdient anfühlte.
Fazit
Die Runde um den Tossals Verds ist eine der klassischen Wanderungen der Tramuntana. Sie hat alles: einen knackigen Anstieg, eine Kettenpassage mit leichtem Adrenalin, eine Berghütte genau zur Halbzeit und zum Schluss einen gemütlichen Kanalweg. Gegen den Uhrzeigersinn ist sie die bessere Wahl, weil man das Steilste gleich hinter sich hat.
Tourenprofil
| Start/Ziel | Parkplatz Cúber-Stausee (Ma-10), ca. 750 m |
| Richtung | gegen den Uhrzeigersinn (erste Gabelung rechts, über Pas Llis) |
| Strecke | ca. 11,5 km |
| Höhenmeter | ca. 510 m im Auf- und Abstieg |
| Höchster Punkt | Coll de sa Coma des Ases, ca. 900 m |
| Tiefster Punkt | kurz hinter dem Refugi, ca. 530 m |
| Gehzeit (unsere) | 11:15–16:15 Uhr, 5 Std. inkl. Pause |
| Einkehr | Refugi Tossals Verds (bewirtschaftet) |
| Schwierigkeit | mittel; steiler Anstieg zu Beginn, Kettenpassage am Pas Llis, Trittsicherheit nötig |
| Markierung | überwiegend GR 221 (Trockenmauerweg) |
| Nicht gemacht | Abstecher Puig des Tossals Verds (1.118 m), ab Coll des Coloms ca. 2 Std. hin und zurück |