Götter, Geraubte und ein Baukran – Abendlicher Spaziergang durch Bückeburg

Ein herbstlicher Fotospaziergang durch Bückeburg: vom Residenzschloss über das größte private Mausoleum der Welt bis zur Stadtkirche.

Eigentlich war ich heute nur als Betatester unterwegs. Meine eigene Taviro-App auf dem iPhone braucht einen weiteren Praxiseinsatz – und Bückeburg liegt direkt vor der Haustür.

Um 16:45 Uhr ging es los. Als Erstes musste die neue Logistik-Funktion zeigen, was sie kann: Sie lotste mich zuverlässig zu den Parkplätzen an der Bahnhofstraße. Ab 17 Uhr zahlt man hier keine Parkgebühren.
Das hat schon mal gut funktioniert.

Schloss Bückeburg

Der Rundgang beginnt an der Kammerpforte. Das Portal stammt aus dem Jahr 1606 und gehört zu den wenigen Bauteilen, die den großen Schlossbrand von 1732 überlebt haben.

Kammerpforte

Dahinter führt eine dreibogige Steinbrücke über die rund 580 Meter lange Wassergräfte zum Schloss. Der Vorplatz ist immer ein beliebtes Fotomotiv und so musste ich ein paar Minuten warten, bis alle Leute aus dem Bild verschwunden waren.

Schloss Bückeburg

Danach ging es zurück auf die Brücke. Und hier wird es dramatisch – denn dort stehen zwei Bronzegruppen, die im Grunde antike Seifenopern in Metall sind. Da musste mir meine App erst mal ein paar Hintergrundinformationen liefern.

Venus und Adonis: Liebe, Leichtsinn und ein Wildschwein

Die Geschichte stammt aus den Metamorphosen des römischen Dichters Ovid. Venus, die Göttin der Liebe, wird versehentlich von einem Pfeil ihres Sohnes Amor geritzt – und verliebt sich prompt in den bildschönen Jäger Adonis. Sie warnt ihn eindringlich: Lass die Finger von gefährlichen Tieren, jag lieber Hasen. Adonis hört natürlich nicht zu (ein Motiv, das sich bis heute in vielen Beziehungen hält), stellt einem Wildschwein nach und wird von dessen Hauer tödlich verletzt. Die trauernde Venus lässt aus seinem Blut eine Blume wachsen: das Anemönchen – schön, aber schnell verweht, genau wie der junge Mann. So hat mir die App das jedenfalls erzählt.

Die Bronzegruppe zeigt den Moment davor: Venus, die Adonis zurückhalten will, und Adonis, der schon mit den Gedanken bei der Jagd ist.

Venus und Adonis

Der Raub der Proserpina: Warum es Herbst wird

Die zweite Figur zeigt einen Mann, der eine sich wehrende Frau davonträgt. Gemeint ist der Raub der Proserpina – ebenfalls bei Ovid nachzulesen. Wieder ist Amor schuld: Er schießt auf Pluto, den Herrscher der Unterwelt, der sich daraufhin in Proserpina verliebt, die Tochter der Fruchtbarkeitsgöttin Ceres. Pluto fackelt nicht lange, packt das Mädchen beim Blumenpflücken und entführt es in sein Reich unter der Erde.

Raub der Proserpina

Ceres ist untröstlich und vernachlässigt vor Kummer ihre Arbeit – auf der Erde wächst nichts mehr. Am Ende handelt Jupiter einen Kompromiss aus: Proserpina darf einen Teil des Jahres bei ihrer Mutter verbringen, den Rest muss sie in der Unterwelt bleiben. Kommt sie zurück, wird es Frühling. Geht sie, wird es Herbst.

Passender hätte ich mir das Motiv für einen Spaziergang Mitte Oktober kaum aussuchen können: Proserpina dürfte gerade wieder auf dem Weg nach unten sein.

Aber noch etwas Spannendes ist mir aufgefallen. Eine Skulptur mit zwei Namen?

Interessanterweise wird die Figur vor dem Bückeburger Schloss häufig als „Raub der Sabinerin“ bezeichnet. Das ist allerdings nicht ganz korrekt. Die Staatlichen Museen zu Berlin, in deren Sammlung sich das Original befindet, führen das Werk ausdrücklich als „Raub der Proserpina“.

Die Verwechslung hat einen kunsthistorischen Hintergrund: Der Bildhauer Adriaen de Vries orientierte sich bei seiner 1621 entstandenen Bronzegruppe an Giambolognas berühmtem „Raub der Sabinerin“ in Florenz. Zwei unterschiedliche Geschichten, aber eine auffallend ähnliche Darstellung.

Ich wäre jetzt ein guter Fremdenführer, wenn ich mir diese ganzen Informationen nur merken könnte.

Schlosspark: Das größte private Mausoleum der Welt

Vom Schloss aus ging es direkt in den angrenzenden Park. Das über 80 Hektar große Gelände wurde im 19. Jahrhundert vom Barockgarten zum englischen Landschaftspark umgestaltet.

Schlosspark

Mein Ziel war das Mausoleum der Fürstenfamilie.

Schild zum Mausoleum

Errichtet wurde es 1911 bis 1916 im Auftrag des letzten regierenden Fürsten Adolf; Architekt Paul Baumgarten nahm sich dafür das römische Pantheon zum Vorbild. Ergebnis: ein Kuppelbau aus hellem Travertin mit 43 Metern Höhe – das größte noch privat genutzte Fürstenmausoleum der Welt. Innen wartet eine goldene Kuppel aus Mosaik mit rund 500 Quadratmetern Fläche, eine der größten ihrer Art in Europa.

Mausoleum

Für mich gab es eine Überraschung: Wo kommt denn dieser Baukran her? Bei meinem letzten Besuch stand der noch nicht dort. Offenbar wird die Freitreppe derzeit saniert. Das zeigt, welcher Aufwand notwendig ist, um so ein altes Baudenkmal zu erhalten.
Ich bin trotzdem an der Seite bis zur Bronzetür gegangen und habe geklopft. Niemand hat geöffnet. Dafür gab es an der Tür schon die nächste Geschichte zu entdecken.

Bronzetür

Der geflügelte Löwe an der Tür

Jetzt musste die App wieder helfen.

Auf der Tür habe ich das Relief eines geflügelten Löwen fotografiert. Das ist kein Wappentier der Fürsten, sondern das Symbol des Evangelisten Markus. Seit der Spätantike werden die vier Evangelisten durch vier Wesen dargestellt: Matthäus durch einen Menschen, Markus durch einen Löwen, Lukas durch einen Stier und Johannes durch einen Adler.

Warum ausgerechnet ein Löwe für Markus? Sein Evangelium beginnt mit Johannes dem Täufer, der als „Stimme eines Rufenden in der Wüste“ auftritt – und wer in der Wüste ruft, brüllt eben wie ein Löwe. Die Flügel stehen für die göttliche Botschaft. Wer schon mal in Venedig war, kennt das Tier übrigens: Der Markuslöwe ist dort das Stadtwappen, weil die Venezianer im 9. Jahrhundert die Gebeine des Heiligen aus Alexandria in ihre Stadt geschmuggelt haben.

An einer Grabstätte ergibt das Motiv natürlich besonders viel Sinn: Die Evangelisten stehen für die Botschaft der Auferstehung.

Oh Mann, diese vielen Informationen überfordern mich heute etwas.

Marktplatz und Rathaus: Ein Ritter mit Ansage

Danach ging es zurück in Richtung Innenstadt. Auf dem Sablé-Platz kam ich am Drachenbrunnen vorbei, dessen Treppenanlage den Weg zum historischen Rathaus rahmt. Das Gebäude wurde zwischen 1904 und 1906 im Stil der Neorenaissance erbaut.

Drachenbrunnen

Und hier ist einer der vier Drachen.

Drache spuckt Wasser

Am Eingang zum Ratskeller steht eine bronzene Ritterfigur auf einer Sandsteinsäule. Auf dem Banner an ihrer Lanze steht der bescheidene Wahlspruch: „Das Beste nur soll herrschen“.

Rathaus Bückeburg

Stadtkirche: Ein Vorbild in der Frömmigkeit, nicht im Bauen

Zum Abschluss ging es zur Stadtkirche. Sie wurde 1611 bis 1615 erbaut – in nur vier Jahren – und gilt als einer der frühesten protestantischen Kirchenbauten Norddeutschlands und als Glanzstück der Weserrenaissance. Bauherr war wieder Fürst Ernst, derselbe Mann, der auch die Bronzen auf der Schlossbrücke bestellt hat.

Stadtkirche Bückeburg

Auf der prachtvollen Fassade prangt die lateinische Inschrift Exemplum religionis non structurae – sinngemäß: „Ein Beispiel der Frömmigkeit, nicht der Baukunst.“

Fazit

Bückeburg liefert auf engem Raum erstaunlich viel historische Architektur. Der Spaziergang vom Schloss durch den Park bis in die Altstadt ist ideal für einen entspannten Nachmittag.
Und die Taviro-App funktioniert schon ganz gut und macht mich fast zu einem Reiseführer in Bückeburg. Ich habe doch einige neue Informationen bekommen, wo man einfach nur so vorbeigeht.

Und am Ende hat mich der kurze Ausflug 0 Euro gekostet.

Die Route im Überblick

Start: Kammerpforte am Schloss
Stationen: Schlossbrücke mit Bronzegruppen – Gräfte – Schlosspark – Mausoleum – Sablé-Platz mit Drachenbrunnen – Rathaus – Stadtkirche
Ziel: Marktplatz Bückeburg
Dauer: ca. 90 Minuten

Die Kosten

Posten Preis
Parken an der Bahnhofstraße (ab 17 Uhr) 0,00 €
Schloss Bückeburg (Außenanlagen & Schlossbrücke) 0,00 €
Fotospaziergang durch den Schlosspark 0,00 €
Mausoleum Bückeburg (Außenarchitektur) 0,00 €
Historisches Rathaus am Marktplatz 0,00 €
Bückeburger Stadtkirche 0,00 €
Summe 0,00 €