Ein Tag in Aveiro: Kanäle, ein Leuchtturm und kilometerlange Strände

Teaser: Tagesausflug von Porto nach Süden — eine Kapelle mitten im Atlantik, das „portugiesische Venedig" und die bunten Fischerhäuser von Costa Nova. Viel Programm für einen halben Tag.

Um halb neun raus aus dem Hotel, den Wagen Richtung Süden. Kein großer Plan, aber eine grobe Reihenfolge: erst eine Kapelle, die angeblich im Meer steht, dann Aveiro, dann die Küste. Bis mittags war das meiste davon abgehakt, was für unsere Verhältnisse fast schon sportlich ist.

Senhor da Pedra: eine Kapelle im Wasser

Erster Halt kurz nach neun in Miramar, südlich von Porto. Die Capela do Senhor da Pedra steht da, wo man ein Bauwerk eigentlich nicht hinsetzt: auf einem Felsen direkt am Strand, bei Flut vom Atlantik umspült. Die sechseckige Kapelle stammt von 1686 und hält sich seither erstaunlich unbeeindruckt gegen die Wellen. Der Felsen war schon lange vor dem Christentum ein Kultort — die Kirche wurde bewusst genau dort gebaut, um dem heidnischen Vorgänger den Platz wegzunehmen.

Capela do Senhor da Pedra

Um diese Uhrzeit ist am Strand noch nicht viel los und man kann schöne Fotos machen.

Praia do Senhor da Pedra

Aveiro, das „portugiesische Venedig"

Gegen halb zehn zurück auf die Straße, um kurz nach zehn in Aveiro.

Aveiro

Erst mal zu Fuß durch die Stadt, die sich selbst gern als „Venedig Portugals" verkauft — drei Kanäle, pastellfarbene Jugendstilfassaden, viel Wasser. Der Vergleich hinkt wie immer, aber charmant ist es trotzdem, und deutlich entspannter als das Original.

An den Kanalstufen mit dem „I love Aveiro"-Schriftzug das obligatorische Foto,

I love Aveiro

dann runter zum Hauptkanal für das, weswegen die meisten herkommen: eine Fahrt mit dem Moliceiro. Wir sind mit Cruzeiros na Ria raus. Die Moliceiros sind die bunt bemalten Boote mit dem hochgezogenen, schwanenhalsartigen Bug — früher Arbeitsboote, mit denen man Seegras (moliço) aus der Lagune fischte, das dann als Dünger auf die Felder kam. Daher der Name. Heute fahren sie Touristen, und die Bemalung am Bug ist oft alles andere als fromm: gern humorvoll, manchmal deftig-satirisch. Randnotiz für Leute, die so etwas mögen: 2025 hat die UNESCO den Moliceiro-Bootsbau der Region Aveiro ins Verzeichnis des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Moliceiro Boote

Farol da Barra

Nach dem Boot raus an die Küste. Um viertel nach eins standen wir am Farol da Barra, dem Leuchtturm am Übergang von der Lagune ins offene Meer. Rot-weiß gestreift, über 60 Meter hoch — der höchste Leuchtturm Portugals. In Betrieb seit 1893.

Farol da Barra

Costa Nova: die gestreiften Häuser

Ein Stück weiter dann Costa Nova. Erst der Strand — breiter Atlantiksand, ordentlich Brandung, nichts für ein gemütliches Bad.

Costa Nova

Der Strand von Costa Nova zieht sich kilometerlang und breit am Atlantik entlang und hat mich heute begeistert.

Costa Nova


Um viertel nach zwei zu den Häusern, für die der Ort bekannt ist: die palheiros, ehemalige Fischerhäuser mit ihren kräftig gestreiften Fassaden in allen Farben. Die Streifen waren kein Deko-Einfall, sondern Zweck: Im dichten Küstennebel sollten die Fischer ihr Haus wiederfinden. Heute stehen sie fotogen in Reih und Glied und werden vor allem als Ferienhäuser genutzt.

Palheiros

Zurück nach Porto

Gegen halb drei ging es zurück ins Hotel nach Porto. Ein Vormittag, eine Kapelle, eine Bootsfahrt, ein Leuchtturm und eine Straße voller gestreifter Häuser — kompakt, aber ohne Hetze. Aveiro lässt sich gut an einem halben Tag mitnehmen, wenn man den frühen Start nicht scheut.