Ein Tag im Douro-Tal und das Sanatório de Valongo
Heute der erste richtige Urlaubstag. Um 06:45 Uhr klingelte der Wecker, um 07:30 Uhr ging es zum Frühstück und um 08:30 Uhr saßen wir im Auto Richtung Amarante.
Von dort sollte es einmal quer durch das Douro-Tal gehen – die älteste Weinregion der Welt und seit 2001 UNESCO-Welterbe. Was als gemütlicher Ausflug gedacht war, wurde zu einer Tour, die vor allem eines lehrte: Im Hochsommer ist der Douro schön. Aber heiß.
Amarante – Brücke, Kloster und himmlische Bäckchen
Gegen 09:30 parkten wir am Estacionamento do Ribeirinho, direkt am Fluss. Amarante liegt malerisch am Rio Tâmega, und der erste Weg führte natürlich zur Ponte de São Gonçalo,der Wahrzeichen-Brücke der Stadt.
Die heutige Steinbrücke stammt aus dem späten 18. Jahrhundert und hat eine kämpferische Vergangenheit: 1809 hielten die Einheimischen hier Napoleons Truppen auf – mit dem Erfolg, dass die Franzosen die Stadt anschließend besetzten und niederbrannten. Geschichte ist selten friedlich.
Gleich daneben thront das Mosteiro de São Gonçalo mit der angeschlossenen Kirche, in der das Grab des Stadtheiligen liegt. São Gonçalo gilt als Schutzpatron der Heiratswilligen – wer an seiner Statue am Seil zieht, soll innerhalb eines Jahres unter die Haube kommen. Ich habe vorsichtshalber die Hände in den Taschen gelassen.
Mit dem Fahrstuhl ging es hinauf in die Altstadt, wo enge Gassen, Handwerksläden und Cafés warten. Und damit zum kulinarischen Pflichtprogramm: Amarante ist berühmt für seine Klostergebäcke, erfunden von den Klarissen des einstigen Convento de Santa Clara.
In einem Café probierten ich die Papos de Anjo („Engelsbäckchen", halbmondförmig, Ei und Mandel, in Oblate gehüllt und in Zuckersirup getränkt) und die Brisas do Tâmega (kleine Schiffchen mit derselben Füllung). Beide Leckerei sind schon sehr süß.
Über dem Doiro: Miradouro de São Leonardo de Galafura
Um 11:20 erreichten wir den Miradouro de São Leonardo de Galafura, auf 640 Metern einer der schönsten Aussichtspunkte des gesamten Tals. Von hier liegt einem das Douro-Tal komplett zu Füßen: terrassierte Weinberge, soweit das Auge reicht, und tief unten der Fluss, der sich gemächlich durch die Schieferhänge schlängelt.
Pinhão – zu heiß für alles
Um 11:30 ging es weiter, um 12:30 erreichten wir Pinhão, das beschauliche Herz der Portweinregion, wo der Rio Pinhão in den Douro mündet. Rund 700 Einwohner, eingerahmt von steilen Weinterrassen, am Kai die traditionellen Rabelo-Boote. Eigentlich war eine Bootsfahrt geplant. Eigentlich. Bei der Mittagshitze hätte das eher einer Fahrt im Schmortopf entsprochen, also haben wir verzichtet und uns das Geld gespart.
Stattdessen gingen wir über den Cais (Kai, Anlehestelle) und hoben einen Geocache bei einem alten Bahnhofsgebäude.
Und schauten anschließend beim wirklich sehenswerten Bahnhof vorbei. Der ist berühmt für seine 24 großen Azulejo-Tafeln von 1937, die Weinlese, Rabelos und das Landleben am Douro zeigen – einer der schönsten Bahnhöfe Portugals.
Was wir nicht fanden: einen geöffneten Supermarkt. Mittagsruhe im Süden ist ein Naturgesetz, gegen das auch der durstigste Tourist nichts ausrichtet.
Die N222 nach Lamego
Um 13:20 ging es auf die N222– jene Straße, die regelmäßig zu den schönsten der Welt gekürt wird. Der berühmteste Abschnitt zwischen Régua und Pinhão bringt es auf rund 27 Kilometer und sage und schreibe 93 Kurven, immer an den Weinbergen und am Fluss entlang. Fahrspaß und Aussicht in einem, vorausgesetzt man hält den Blick gelegentlich auch auf der Straße.
Lamego – 686 Stufen Buße
Um 14:30 erreichten wir Lamego. Das Wahrzeichen der Stadt ist das Santuário de Nossa Senhora dos Remédios, eine barocke Wallfahrtskirche, die man sich erst verdienen muss: Eine monumentale Freitreppe mit 686 Stufen,geschmückt mit Azulejos, Statuen und kunstvollen Balustraden, führt hinauf.
Wir sind sie hoch- und wieder runtergestiegen – bei der Hitze eine Art selbst gewählte Wallfahrt mit eingebautem Schwitzprogramm. Die Aussicht von oben über Stadt und Tal entschädigt aber für jede einzelne Stufe.
Unten hier ein Foto in der Wallfahrtskirche Santuário de Nossa Senhora dos Remédios.
Sanatório de Valongo – Lost Place zum Abschluss
Den Schlusspunkt setzte um 17:00 das Sanatório de Valongo– offiziell Sanatório de Mont'Alto, ein riesiges, längst verlassenes Lungensanatorium.
Gebaut, um Tuberkulosekranke in der reinen Höhenluft zu behandeln, war es nur kurze Zeit in Betrieb (Ende der 1950er bis in die 1970er) und verfiel danach.
Heute ist die kolossale Granit-Ruine mit ihren leeren Korridoren, zerschlagenen Fenstern und Graffiti einer der bekanntesten Lost Places Portugals – und je nachdem, wem man glaubt, auch ein Tummelplatz für Geistergeschichten.
Begegnet ist mir nichts Übernatürliches. Aber dieser Mix aus verwitterter Architektur und zurückerobernder Natur hat etwas, das einen länger beschäftigt als jede Postkarten-Aussicht. Ein passender Abschluss für einen Tag, an dem ich zwischen Klostergebäck und Verfall so ziemlich alles gesehen habe, was das nördliche Portugal zu bieten hat.
Hier ein Video zum verlassenen Sanatorium.
Sanatorio de Valongo