Anreisetag: Von Ahnsen über Barcelona an Bord der MSC World Europa
Ohne Schlaf ging es heute zum Flughafen nach Düsseldorf. Um 0:10 Uhr rollte das Auto los. Wann war ich eigentlich das letzte Mal in Düsseldorf ? 255 Kilometer über die A2 Richtung Dortmund und weiter auf die A1 – nachts erstaunlich entspannt. Kurz nach 2 Uhr stand der Wagen im Parkhaus P4 am Flughafen Düsseldorf, Foto vom Stellplatz inklusive. In einer Woche, um kurz vor Mitternacht, werde ich dafür dankbar sein. Skytrain fuhr um diese Uhrzeit nicht zum Terminal, aber der Fußweg ist nicht sehr lang.
Am Flughafen gibt man das Gepäck inzwischen eigenständig auf. Ob das in Barcelona ankommt ?
Ein Mini - Frühstück gab es im airside um kurz nach fünf, dann Boarding, und um 06:25 Uhr hob EW9440 ab. Zwei Stunden später: Barcelona, El Prat, Terminal 1.
Planänderung am Flughafen
Ursprünglich hatte ich den Aerobús zur Plaça de Catalunya vorgesehen, Koffer in ein Schließfach, dann zu Fuß in die Altstadt. Daraus wurde nichts – im positiven Sinne. In der Ankunftshalle wartete ein Mitarbeiter von MSC, sammelte mich und zwei weitere Kreuzfahrtgäste ein und fuhr uns im Mercedes Van direkt zum Hafen.
Was nun? Fünf Stunden im Terminal absitzen wäre die naheliegende, aber langweiligste Lösung gewesen. Meine digitalen Assistenten waren sich einig: nicht warten, sondern raus in die Stadt – so, wie ursprünglich geplant. Also mit dem Port-Shuttlebus (5 Euro als Tagesticket) aus dem Hafengelände heraus. Der Bus fährt direkt bis zum World Trade Center / Kolumbus-Denkmal am unteren Ende von La Rambla in die Innenstadt.
Der Preis für diese Entscheidung: 31 Grad, lange Hose und unnötige Sachen in meinem Tagesrucksack. Barcelona zeigte sich Anfang September von seiner schwitzigen Seite.
Zu Fuß über die Ramblas ins Barri Gòtic
Von der Kolumbussäule ging es die Ramblas hinauf. Die Straße ist das, was sie ist – laut, voll, ein bisschen Kulisse ihrer selbst.
Interessant wird es erst, wenn man nach links in die Gassen abbiegt und im Barri Gòtic landet, wo die Temperatur zwischen den hohen Häuserwänden spürbar erträglicher wird.
Plaça Nova. Hier stehen die beiden massiven Rundtürme der Porta Decumana, des römischen Stadttors aus dem 4. Jahrhundert – die älteste sichtbare Stadtbefestigung Barcelonas. An der angrenzenden Wand prangen die überdimensionierten Bronzelettern BARCINO, der römische Name der Stadt. 1700 Jahre Stadtgeschichte auf einem einzigen Platz.
Carrer del Bisbe. Die berühmte neugotische Brücke, die das Palau de la Generalitat mit dem Casa dels Canonges verbindet. Sie sieht mittelalterlich aus, stammt aber von 1928. Das Motiv lebt komplett von der Untersicht: direkt darunter stellen, Kamera senkrecht nach oben.
Bitte auf die Brücke achten und nicht auf die Lady in Red. Ist halt ein sehr beliebtes Motiv, die Brücke mein ich.
Temple d'August. Versteckt in einem Innenhof am Carrer del Paradís stehen vier korinthische Säulen des römischen Augustustempels – fast neun Meter hoch, mitten in einem Wohnhaus. Man läuft leicht daran vorbei, wenn man nicht weiß, dass es sie gibt. Der Eintritt ist frei, aber Mia meine digitale Reisebegleiterin führte mich hier hin.
Die Kathedrale. Für 14 Euro gibt es Zugang inklusive Dachterrasse.
Der Aufstieg lohnt: Von oben liegt einem die Altstadt zu Füßen. Man fährte übrigens in einem Fahrtstuhl hoch und runter.
Der stillste Ort war aber der gotische Kreuzgang mit seinen 13 weißen Gänsen – eine für jedes Lebensjahr der heiligen Eulàlia, Schutzpatronin der Stadt. Diese Tradition hält die Kathedrale seit dem 14. Jahrhundert aufrecht. Gänse zwischen Magnolien und Arkadenbögen, in aller Ruhe.
Mercat de Santa Caterina. Letzter Halt vor dem Rückweg: die Markthalle mit dem wellenförmigen Keramikdach von Enric Miralles, 325.000 bunte Kacheln.
Deutlich weniger überlaufen als La Boqueria – und in der Mittagssonne leuchten die Farben am kräftigsten.
Bei einem Bäcker habe ich etwas typisches katalanisches probiert. Merenga de Coco. Baiser-/Schaumgebäck mit Kokos, außen leicht fest bis knusprig und innen weich, süß und etwas klebrig
Einschiffung: MSC World Europa
Zurück mit dem Shuttle ins Hafengelände. Ab 14 Uhr ging es an Bord, und anders als befürchtet stand meine Innenkabine zu diesem Zeitpunkt bereits zur Verfügung.
und so sieht es vom Bett aus.
Und das Bad.
Reicht mir so aus, auch ohne Balkon. Bin hier fast nur zum Schlafen in der Kabine.
Danach das erste Mittagessen im Buffetrestaurant. Die Seenotrettungsübung lief angenehm unkompliziert ab: kein Anstehen mit Schwimmweste unter dem Kinn, der theoretische Teil kommt über die App, an der Sammelstation wird nur noch die Anwesenheit registriert. Zeremonie in wenigen Minuten erledigt.
Den Rest des Nachmittags habe ich genutzt, um mich auf dem Schiff umzusehen. Die World Europa ist groß genug, dass man dafür durchaus einen Nachmittag braucht.
Abendessen: Mein Menü
Am Abend dann der erste Gang durchs Hauptrestaurant. Das Menü:
| Gang | Gericht | Beschreibung |
|---|---|---|
| Vorspeise | Bresaola vom Rind | Salatmischung, Essiggurken, eingelegte Perlzwiebeln, gesalzene Ricotta-Flocken, Rucola-Pesto |
| Hauptgang | Klassische Lasagne | Bolognese, cremige Béchamel, Parmigiano Reggiano |
| Dessert | Tiramisù | Mascarponecremetorte mit Marsalawein und in Espresso getränkten Löffelbiskuits |
Ein italienisches Menü auf einem italienischen Schiff – passender kann ein erster Abend kaum ausfallen.
Abends gab es noch eine Magie - Show.
Fazit des Tages
Knapp 15 Stunden zwischen Wecker in Ahnsen und Abendessen auf dem Mittelmeer. Die spontane Planänderung am Flughafen hat den Tag gerettet: Statt fünf Stunden Terminalwarten gab es einen kompletten Altstadtrundgang – für 5 Euro Shuttleticket und 14 Euro Kathedrale. Der Trick war, den Koffer sofort loszuwerden und die Zeit als Geschenk statt als Wartezeit zu behandeln.
Barcelona bei 31 Grad ist anstrengend. Aber die Alternative wäre eine Flughafenhalle gewesen.